Schutzwall oder Wohlstandsräuber?
Für US-Präsident Trump sind Zölle ein Allheilmittel für die Wirtschaft - doch geht diese Rechnung auf? Was genau sind Zölle, und was bewirken sie? Antworten auf die wichtigsten Fragen.
"I love tariffs" - ich liebe Zölle, das hatte Donald Trump schon im Wahlkampf um die US-Präsidentschaft immer wieder betont. Kürzlich erklärte er "Zoll" neben "Religion" und "Liebe" zu einem der drei schönsten Wörter "im gesamten Wörterbuch".
Seiner Ansicht nach werden die USA von ihren Handelspartnern über den Tisch gezogen, da die Importe die Exporte bei weitem übersteigen.
Dieses Handelsdefizit soll nun mit Hilfe neuer Zölle verringert werden. Experten jedoch bezweifeln, dass diese Rechnung aufgeht.
Was sind Zölle?
Das Lexikon der Wirtschaft bezeichnet Zölle als "Abgaben an den Staat, die beim Übergang über die Zollgrenze eines Landes oder eines Zollgebietes zu entrichten sind". Diese Zölle werden auf Waren und Güter erhoben, vom Auto bis zur Weinflasche.
Was für Zölle gibt es?
In der aktuellen Situation geht es vor allem um Einfuhrzölle, die fällig werden, wenn Waren in ein Land geliefert werden. So müsste beispielsweise VW in den USA die erhöhten Zölle für die Einfuhr eines in Mekixo gefertigten Autos zahlen.
Es gibt aber auch Ausfuhrzölle. Diese werden von jenen Staaten erhoben, aus denen eine Ware exportiert wird.
Durchgangszölle werden auf Lieferungen erhoben, die ein Land nur durchqueren und nicht dort verkauft oder verbraucht werden. Ein Beispiel dafür sind Transitgebühren für Öl oder Gas, das in einer Pipeline transportiert wird.
Warum gibt es Zölle?
Zum einen sind Zölle eine willkommene Einnahmequelle für den Staat, der an jeder Lieferung aus dem Ausland mit verdient.
Außerdem dienen Zölle als Schutz für die heimische Wirtschaft: Durch Einfuhrbegrenzungen bestimmter Waren soll die heimische Produktion angekurbelt werden.
Hohe Ausfuhrzölle sollen dagegen dafür sorgen, dass bestimmte Waren und Güter im Land verbleiben. Indien hat beispielsweise hohe Ausfuhrzölle auf Eisenerz erhoben, um Versorgungsengpässe bei der heimischen Stahlindustrie zu verhindern.
Was bringen Zollschranken?
Für die Einnahmen eines Staats spielen Zölle eine eher untergeordnete Rolle. So nahmen die USA im Jahr 2023 etwa 80 Milliarden US-Dollar an Zöllen und Gebuüren ein, was lediglich 1,8 Prozent der Gesamteinnahmen der US-Regierung ausmachte.
Zum Vergleich: Der EU flossen im gleichen Zeitraum umgerechnet etwas über 30 Milliarden US-Dollar (28,2 Milliarden Euro) an Zollgebühren zu.
Schaden Zölle der Wirtschaft?
Historische Beispiele beantworten die Frage eindeutig mit ja. So bestand der Deutsche Bund (ab 1815) aus 39 Staaten. Waren und Güter mussten allein im innerdeutschen Handel bis zu 38 Mal verzollt werden.
Waren, die aus Hamburg nach Österreich geliefert wurden, mussten zehn Grenzen passieren. Das machte einige Waren unerschwinglich teuer. Erst die Gründung des Zollvereins verschaffte Erleichterungen.
Auch in modernen Zeiten lautet die Antwort auf Zollschranken der Freihandel. Weltweit wurden Freihandelszonen geschaffen, wie unter anderem die EU, der südamerikanische Wirtschaftsraum Mercosur oder ASEAN in Ostasien.
Inzwischen sind diese Freihandelszonen dazu übergegangen, Handelsbündnisse untereinander zu schließen, etwa die EU und der Mercosur.
Wer zahlt am Ende?
Wirtschaftswissenschaftler sind sich ziemlich sicher, dass Verbraucherinnen und Verbraucher am Ende die höheren Zölle bezahlen werden, da die Produzenten versuchen dürften, die höheren Preise weiterzureichen.
Gelingt dies nicht, sinken dafür die Unternehmensgewinne. Beides kann Wachstum und Arbeitsplätze kosten.
Werden die USA tatsächlich im Handel mit der EU benachteiligt?
Schon 2018 kam das ifo-Institut zu dem Ergebnis, dass die EU tendenziell protektionistischer sei als die USA, da sie durchschnittlich höhere Zölle auf US-Waren erhebt als umgekehrt.
Allerdings geht es beim Handel zwischen den beiden Wirtschaftsräumen um mehr als 5.000 Produkte, die alle mit unterschiedlichen Zollsätzen belegt sind.
Dabei sind jetzt schon Lieferungen einiger EU-Produkte (Milch, Schokolade, Kleinlastwagen) mit bis zu 20 Prozent Zoll belegt, während die EU unter anderem bei Kraftfahrzeugen (zehn Prozent), Äpfeln und Weintrauben (20 Prozent) aus den USA ungewöhnlich hohe Zölle verlangt.
In der Summe fließen höhere Zollzahlungen aus der EU in die USA als umgekehrt, weil eben auch deutlich mehr in die USA exportiert wird.
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