Es wird eine Reihe neuer US-Zölle geben - viel mehr wurde aber bis zum Handelsschluss der Wall Street nicht bekannt. Während sich die New Yorker Börsen ins Plus retteten, stand der DAX unter Druck.

Seine mit Spannung erwarteten Zollpläne wollte US-Präsident Donald Trump erst nach Börsenschluss bekannt geben - in den Handelssälen gingen die Spekulationen über die Details also auch am Mittwoch weiter. An der Wall Street setzten sich derweil die Optimisten durch, die in den Zollplänen längerfristig auch Chancen für die US-Wirtschaft sehen. Der Dow Jones drehte nach verhaltenem Start ins Plus und schloss 0,56 Prozent höher bei 42.225 Punkten.

Auch die Technologiewerte vollzogen eine scharfe Kurswende nach oben. Der Nasdaq 100 ging mit einem Plus von 0,75 Prozent auf 19.581 Punkte aus dem Handel.

Die aktuellen Wirtschaftsdaten stützten die Hoffnung auf eine Erholung der US-Konjunktur. So stieg der Auftragseingang der US-Industrie im Februar zum zweiten Mal in Folge. Die Bestellungen legten im Vergleich zum Vormonat um 0,6 Prozent zu. Die Aufträge für langlebige Güter stiegen laut einer zweiten Schätzung um 1,0 Prozent. Damit wurde eine erste Schätzung von einem Plus von 0,9 Prozent leicht nach oben revidiert.

Bangen vor dem "Befreiungstag"

Die weiteren Börsenperspektiven hängen nun zentral von den Zollplänen ab, die Trump noch heute vorstellen wird. Seit Wochen schon spricht Trump vom 2. April als "Liberation Day", dem "Tag der Befreiung" in Amerika.

"Die Kapitalmärkte und Unternehmen mögen keine Unsicherheit, doch erscheint fraglich, ob heute wirklich Klarheit geschaffen wird", schrieben die Experten der Dekabank. In den Stunden und Tagen nach Verkündung sei mit moderaten Gegenmaßnahmen von China, der EU und Kanada zu rechnen.

"Die Eskalationsspirale könnte sich nun munter weiterdrehen", warnte IG-Analyst Christian Henke. "Ein Handelskrieg schürt die Angst vor einer Rezession. Allein diese Aussicht dürfte nicht im Sinne der Anleger sein."

DAX knickt vor Trump-Ankündigung ein

Die deutschen Anlegerinnen und Anleger wollten jedenfalls nicht auf dem falschen Fuß erwischt werden und gingen aus dem Risiko. Der DAX schloss 0,66 Prozent tiefer bei 22.390 Punkten. Im Zuge der Kurserholung in New York setzte er sich aber von seinem Tagestief ab. Dieses lag bei 22.142 Punkten - ein Minus von 1,7 Prozent.

Gold auf Kurs gen 3.300 Dollar?

Die Nervosität an den Börsen stützte den Goldpreis. Das als Anti-Krisen-Währung geltende Edelmetall verteuerte sich bis zum Abend um 0,3 Prozent auf 3.125 Dollar je Feinunze, nachdem es am Dienstag ein Rekordhoch bei 3.148,88 Dollar markiert hatte.

Eine Abschwächung der US-Wirtschaft, ein möglicher Anstieg der Inflation und Zinssenkungen könnten dazu führen, dass der Goldpreis in den kommenden Monaten die Marke von 3.300 Dollar erreiche, sagte Philip Newman, Geschäftsführer von Metals Focus.

Ölpreise drehen nach oben

Die Ölpreise machten frühe Verluste wett. Die Rohölsorte Brent aus der Nordsee notiert am späten Abend 0,75 Prozent höher bei 74,96 Dollar je Barrel (159 Liter). Gestern hatte die OPEC+ damit begonnen, ihre freiwilligen Förderkürzungen schrittweise zurückzufahren. Dadurch steigt die tägliche Ölproduktion des erweiterten Kartells ab April jeden Monat um knapp 140.000 Barrel.

Gestützt werden die Notierungen dagegen von den Plänen des US-Präsidenten Trump, die Ölexporte des Iran und Venezuelas durch Strafzölle für die Abnehmer zu behindern.

Der unerwartet und deutliche Anstieg der Ölreserven in den USA belastete die Preise nicht. Die Rohölvorräte stiegen um 6,2 Millionen auf 439,8 Millionen Barrel. Analysten hatten hingegen im Schnitt mit einem Rückgang um 0,5 Millionen Barrel gerechnet.

Tesla-Absatz schwächer als erwartet - Aktie fährt Achterbahn

Einer der auffälligsten Titel im US-Handel war Tesla. Überschattet vom umstrittenen politischen Engagement des Firmenchefs Elon Musk sind die Verkaufszahlen des Autobauers weltweit stärker gesunken als erwartet. Im ersten Quartal lieferte der US-Elektroautobauer mit 336.681 Fahrzeugen 13 Prozent weniger aus als im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten im Schnitt einen Rückgang um dreieinhalb Prozent erwartet. Starke Rückgänge in Europa hatten bereits auf schwächere Auslieferungszahlen hingedeutet.

Die Tesla-Aktie drehte jedoch nach einem Einbruch von über sechs Prozent im Verlauf ins Plus. Händler verwiesen auf die hohen Leerverkaufspositionen, die die Verkäufer bei steigen Kursen zu Rückkäufen zwingen. Auslöser für die Gewinne dürfte ein Bericht des Magazins "Politico" sein, dass Musk sein Amt als einer der wichtigsten Berater von US-Präsident Trump aufgebe. Trump habe seinem innersten Beraterkreis mitgeteilt, dass Musk in den kommenden Wochen ausscheiden werde, heißt es in dem Bericht.

Siemens kauft US-Firma für 5,1 Milliarden Dollar

Siemens kauft zum zweiten Mal binnen weniger Monate eine Software-Firma aus den USA. Der DAX-Konzern zahlt 5,1 Milliarden Dollar für Dotmatics, einen auf die Pharmabranche spezialisierten Anbieter von Forschungs- und Entwicklungs-Software aus Boston, wie Siemens am Abend mitteilte. "Die Übernahme von Dotmatics ist Teil unseres Wachstumsprogramms 'One Tech Company', mit dem wir unsere führende Position bei Industriesoftware weiter ausbauen und unseren Kunden helfen, noch schneller innovativ zu sein", sagte Vorstandschef Roland Busch. Erst im Herbst hatte der Konzern rund zehn Milliarden Dollar für die US-Software-Firma Altair ausgegeben. Die neue Übernahme soll im Winter vollzogen werden.

Wegen Trump: Pharma-Aktien fliegen aus den Depots

Am deutschen Markt nahmen Anleger bei Pharma-Aktien Reißaus, nachdem Trump im US-Gesundheitssektor mit Massenentlassungen für Unruhe gesorgt hatte. Aktien von Bayer und Sartorius gehörten zu den größten DAX-Verlierern. "Die schlechte Stimmung schwappt aus den USA herüber, nachdem Trump in dem Sektor gewütet hat", sagte ein Händler.

DWS zahlt 25 Millionen Dollar wegen "Greenwashing"

Die Deutsche-Bank-Fondsgesellschaft DWS muss auch in Deutschland eine Millionenbuße wegen "Greenwashing"-Vorwürfen zahlen. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt, die wegen des Anfangsverdachts des Kapitalanlagebetrugs ermittelte, verhängte ein Bußgeld von 25 Millionen Euro. Es handelt sich um die höchste Strafe, die jemals in Deutschland wegen Greenwashing-Delikten verhängt wurde.

BMW startet mit Zuwächsen in den USA ins Jahr

BMW ist auf dem US-amerikanischen Markt mit einem Verkaufsplus ins Jahr gestartet. Von der Hausmarke BMW lieferten die Bayern im ersten Quartal 87.615 Autos aus, das waren 3,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Volkswagen steigert US-Absatz deutlich

Auch Volkswagen hat den Absatz in den USA im ersten Quartal deutlich gesteigert. Die Zahl der verkauften Fahrzeuge sei um 7,1 Prozent auf 87.915 Fahrzeuge gestiegen, teilte das Unternehmen gestern mit. Die Verkäufe von Taos und Jetta trieben das Wachstum der Marke an.

Gebot für ProSiebenSat.1 dürfte kaum verlocken

Die Aktionäre von ProSiebenSat.1 müssen beim Übernahmeangebot der Berlusconi-Holding MFE mit einem Preis unter dem gegenwärtigen Börsenkurs rechnen. Nach Angaben der Finanzaufsicht BaFin liege der gewichtete Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate - und damit der gesetzliche Mindestpreis - bei 5,74 Euro, teilte MFE-MediaForEurope mit. Die ProSieben-Aktionäre sollen daher 4,47 Euro je Aktie in bar und 0,4 neue MFE-A-Aktien erhalten, was einem rechnerischen Wert von weiteren 1,27 Euro entspricht. Die Italiener hatten bereits angekündigt, nur den Mindestpreis zu bieten und rund 20 Prozent davon in eigenen Aktien zu bezahlen. Die ProSieben-Aktie lag im späten Handel bei 5,81 Euro, bei der Ankündigung vor einer Woche notierte sie noch bei mehr als 6,50 Euro.

Post setzt bei Briefmarken erstmals auf Recyclingpapier

Die Deutsche Post hat ihre erste Briefmarke herausgebracht, die aus Recyclingpapier besteht. Für die 95-Cent-Briefmarke habe man 12,8 Tonnen hundertprozentigen Recyclingpapiers genutzt, teilte die Firma in Bonn mit. Nach eigenen Angaben ist sie das weltweit erste Postunternehmen, das eine vollständige Umstellung ihrer nassklebenden Marken auf Recyclingpapier plant.

Fuchs übernimmt US-Schmierstofffirma Irmco

Der Schmierstoffkonzern Fuchs hat sich den 1914 gegründeten, familiengeführten US-Rivalen Irmco einverleibt. "Die Übernahme von Irmco wird unsere Position als führender Anbieter von Schmierstofflösungen für den Industriebereich weiter stärken", erklärte Keith Brewer, Chef von Fuchs America. Zum Kaufpreis machte er keine Angaben.

Auto1 macht erstmals Gewinn

Der Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 hat im vergangenen Jahr dank der anziehenden Geschäfte und Kostensenkungen erstmals einen Gewinn unterm Strich eingefahren. Das Konzernergebnis lag bei 20,9 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte Auto1 noch 116,5 Millionen Euro Verlust gemacht. Die Anleger quittierten die guten Nachrichten mit Gewinnmitnahmen, zumal der Ausblick wie bereits erwartet bestätigt wurde.

Nordex erholt dank Türkei-Aufträgen

Nach dem jüngsten Rückfall bis nahe an die 14-Euro-Marke können Nordex-Aktien heute von Neuaufträgen für den Windkraftanlagenbauer profitieren. Laut Mitteilung erteilte ein Windenergie-Projektentwickler aus der Türkei zwei Aufträge über insgesamt 108 Turbinen mit einer Gesamtkapazität von 750 Megawatt.

Boeing-Chef will "schwere Fehltritte" einräumen

Boeing-Chef Robert "Kelly" Ortberg will nach Angaben seines Unternehmens bei einer heutigen Anhörung im US-Senat "schwerwiegende Fehltritte" des US-Flugzeugbauers einräumen. Ortberg wird demnach auch Boeings Verantwortung für die Abstürze von zwei Boeing-Maschinen mit insgesamt 346 Toten vor mehr als fünf Jahren anerkennen.

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