DAX macht wieder Boden gut
Nach zuletzt schwächeren Sitzungen haben die Anleger am Aktienmarkt heute wieder zugegriffen. Der DAX trotzte damit jüngsten US-Zollsorgen. Morgen will Präsident Trump sein Paket präsentieren.
Nach den jüngsten Verlusten griffen die Anleger heute an der Frankfurter Börse auf niedrigerem Niveau wieder kräftig zu. Der Leitindex DAX, der auch von einem Stabilisierungsversuch der Börsen in den USA und Asien profitierte, legte am Ende 1,7 Prozent zu auf 22.539 Punkte und weitete vor allem am Nachmittag seine Gewinne noch aus. Der MDAX der mittelgroßen Werte rückte ebenfalls 1,09 Prozent auf 27.691 Zähler vor.
Der DAX ging gestern noch bei 22.163 Punkten um 1,3 Prozent schwächer aus dem Handel. Trotz der Abgaben zuletzt fiel das abgelaufene erste Quartal mit einer Wertentwicklung von 11,3 Prozent ausgesprochen positiv aus. Vor allem die Hoffnung auf ungewöhnlich große Fiskaleffekte durch eine neue Bundesregierung hatte die Fantasie der heimischen Anleger maßgeblich angefacht.
Markus Gürne, HR, mit Informationen zur Börse
tagesschau, 01.04.2025 17:00 UhrIn Erwartung neuer US-Zölle
Die aktuelle Realität sieht allerdings wesentlich differenzierter aus, und das weltweit. Denn das beherrschende Thema am Markt ist und bleibt die Zollpolitik des neuen US-Präsident Donald Trump. Dieser will morgen ein umfangreiches Zollpaket ankündigen, das große Auswirkungen auf den freien Welthandel haben dürfte. Für Deutschland schließt das Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ein Schrumpfen der hiesigen Wirtschaft in diesem Jahr nicht aus.
"Meine größte Sorge sind nicht per se die nun angekündigten Zölle der USA, sondern die dadurch entstehende Unsicherheit über eine Eskalation und fehlende Planungssicherheit", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher den Zeitungen der Funke Mediengruppe laut Vorabbericht.
Auch die Zinspolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) dürfte davon abhängig sein, wie sich die Maßnahmen auswirken. Darauf hatte zuletzt Bankchef Jerome Powell verwiesen, der bis dahin sein Pulver weiter trocken halten dürfte.
Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners in Frankfurt sprach von "politisch getriebenen Börsen", die sich durch extrem schnell drehende Stimmungen und überdurchschnittlich hohe Schwankungen auszeichneten.
Euro steigt nach schwachem ISM-Index
Die Gemeinschaftswährung pendelte heute um die Marke von 1,08 Dollar und handelte zuletzt bei 1,0806 Dollar. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0788 (Montag: 1,0815) Dollar fest.
Am Nachmittag geriet der Dollar nach schwächeren Stimmungsindikatoren für das Verarbeitende Gewerbe unter Druck. Die Stimmung in der US-Industrie trübte sich im März stärker als erwartet ein. Der Einkaufsmanagerindex ISM fiel mit 49,0 Punkten unter die Wachstumsschwelle und signalisierte einen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität.
"Für den Rückgang verantwortlich dürfte die wankelmütige US-Politik sein, die mit der Einführung und Erhöhung von Zöllen gegenüber vielen Handelspartnern für Verunsicherung und auch höhere Kosten sorgt", kommentierte Ulrich Wortberg, Volkswirt bei der Landesbank Hessen-Thüringen. Wachstumssorgen würden größer.
Ansonsten bleibt auch im Währungshandel das Thema Zölle bestimmend, vor allem im Hinblick auf mögliche Reaktionen der Notenbanken. Allerdings ist weiter nicht klar, wie stark einzelne Länder konkret betroffen sein werden.
Euro-Konjunkturdaten bewegen kaum
Inflationsdaten, sowie eine bessere Industriestimmung im gemeinsamen Währungsraum beeinflussten den Markt zuvor nur wenig. Konkret hat sich die Inflation im Euroraum, wie schon am Vortag in Deutschland, der größten Volkswirtschaft in der EU, im März leicht abgeschwächt auf 2,2 Prozent. Für die Währungshüter um EZB-Chefin Christine Lagarde, die seit Mitte 2024 bereits sechs Mal die Zinsen gesenkt haben, sind das gute Nachrichten: Ihr Inflationsziel von 2,0 Prozent rückt damit in Reichweite. Der nächste EZB-Zinsentscheid ist am 17. April.
Auch die Stimmung der Industrieunternehmen hat sich weiter verbessert. Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global (PMI) stieg im Vergleich zum Vormonat um 1,0 Punkte auf 48,6 Punkte, wie S&P in London mitteilte. Es ist der dritte Anstieg des Stimmungsindikators in Folge. Allerdings wurde die erste Schätzung von 48,7 Punkten geringfügig nach unten revidiert.
Beruhigung am Ölmarkt
Die Ölpreise haben sich heute nach dem Anstieg am Vortag nur wenig verändert. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Mai kostete am späten Nachmittag 74,75 Dollar, ein Plus von 0,1 Prozent.
Zu Beginn der Woche hatte US-Präsidenten Donald Trump den Druck auf Russland erhöht und mögliche Maßnahmen gegen das wichtige Öl-Förderland ins Spiel gebracht. Trump hatte sich zuletzt empört gezeigt über Putins Vorschlag, die von Russland angegriffene Ukraine unter Verwaltung der Vereinten Nationen zu stellen und dort Neuwahlen abzuhalten. Er drohte dem Kremlchef mit US-Sanktionen gegen Russlands Ölindustrie.
Nach Einschätzung von Vivek Dhar, Analyst bei der Commonwealth Bank of Australia, nehmen die Märkte mögliche Lieferengpässe von Rohöl aus Russland nun ernster. Angesichts der bisherigen Erfolge des russischen Ölhandels bei der Umgehung von Sanktionen könnten Lieferengpässe bei russischem Öl die Preise nach oben treiben.
Goldpreis auf Rekordkurs
Die Sorge vor steigenden Verbraucherpreisen und einem Bremsen des Wirtschaftswachstums treibt die Nachfrage nach sicheren Häfen. Der Goldpreis stieg heute auf ein Rekordhoch. Eine Feinunze Gold kostete in der Spitze 3.147 Dollar.
"Die Erwartung der US-Gegenzölle am 2. April hat die Marktteilnehmer zu einer defensiven Haltung veranlasst", kommentierte Yeap Jun Rong, Marktstratege bei IG. "Einige reduzieren ihre Risiken und wenden sich dem sicheren Hafen Gold zu, um sich gegen die drohende Volatilität ihrer Portfolios abzusichern." Der Goldpreis verzeichnete das stärkste Quartal seit 1986.
Volatile Wall Street
Nach der Zwischenerholung gestern geht es an den US-Börsen bisher volatil zu. Die großen Aktienindizes haben bereits mehrfach das Vorzeichen gewechselt und stehen aktuell moderat im Plus. Der Leitindex Dow Jones verliert gut 0,1 Prozent, S&P 500 und die Nasdaq gewinnen zwischen 0,4 und 0,7 Prozent.
Die Anleger seien verunsichert und zurückhaltend, da immer noch unklar sei, wie weit Trump mit seinen Drohungen in dem von ihm angezettelten Handelskrieg tatsächlich gehen werde, hieß es am Markt. Das Thema nährt immer stärker Befürchtungen einer allgemeinen Wirtschaftsschwäche.
Eine Gemengelage aus Zollpolitik und Sorgen über die Konjunktur habe gegenwärtig Turbulenzen an den Aktienmärkten zur Folge, schrieb Axel Botte von Ostrum Asset Management. Der Chefstratege hält eine Eskalation des Handelskrieges für unvermeidlich. Die Wirtschaft in den USA dürfte im ersten Quartal sehr schwach gewesen und möglicherweise sogar geschrumpft sein.
Schlechtestes Quartal für US-Börsen seit 2022
Obwohl der US-Leitindex Dow Jones gestern noch mit einem Plus von 1,0 Prozent schloss, verzeichneten Nasdaq und der breit gefasste S&P 500 das schlechteste erste Quartal seit 2022. Besonders die US-Tech-Aktien, die die Indizes bisher angetrieben hatten, schwächelten.
Commerzbank und Adidas gefragt
In einem freundlichen Bankenumfeld legten Aktien der Commerzbank über sieben Prozent zu und führten damit den Leitindex an. Auch Adidas-Papiere legten kräftig zu.
Adidas zuversichtlich
Analysten verwiesen auf Signale des fränkischen Sportartikelkonzerns zum ersten Quartal und bestätigte Ziele für 2025. Die Zuversicht des Managements resultiere aus der starken Dynamik der Marke Adidas und den gut gefüllten Auftragsbüchern, schrieben die Experten der Investmentbank Stifel.
Mercedes-Absatz sinkt zum Jahresauftakt
Die Aktien von Mercedes-Benz schlossen gegen den Trend kaum verändert, grenzten ihre Verluste im Verlauf aber deutlich ein. Der Stuttgarter Autobauer hat im ersten Quartal vor allem wegen anhaltender Schwäche in China leicht unter dem Vorjahr gelegen. Während auch in Europa die Verkäufe der Marke mit dem Stern unter Vorjahr lagen, behielt der US-Markt demnach ein "solides Momentum" bei.
Analysten berichteten nach der Telefonkonferenz, der Autobauer habe im Vorfeld der angekündigten Importzollerhöhungen in den USA die Lagerbestände hochgefahren. Womöglich sei der Absatz auch von vorgezogenen Verkäufen an Kunden angekurbelt worden, die sich noch vor der Zollerhöhung um 25 Prozent einen Neuwagen anschafften.
Europäische Lkw-Hersteller zu abhängig von USA?
Ein Bernstein-Analyst geht in einer Branchenstudie skeptisch an die europäischen Lkw-Hersteller heran, und sieht dabei das größte Risiko bei Daimler Truck wegen der großen Abhängigkeit vom US-Geschäft. Er rechnet vor, dass der Konzern in den Vereinigten Staaten aktuell mehr als die Hälfte seines operativen Ergebnisses erwirtschafte. Die Aktien des Nutzfahrzeugbauers Daimler Truck sanken zunächst um mehr als ein Prozent, konnten ihr Minus dann aber reduzieren auf 0,1 Prozent. Damit zählten sie zu den wenigen Verlierern im erholten DAX.
Lufthansa verlegt Airbus-Langstreckenjets nach Frankfurt
Weil Lieferungen des US-Flugzeugherstellers Boeing ausbleiben, verlegt die Lufthansa einige Langstreckenjets vom Typ Airbus A350 nach Frankfurt. Die eigentlich in München stationierten Flugzeuge sollen Flugplan-Lücken schließen, die entstanden sind, da Boeing Zulassungs- und Lieferprobleme bei den Modellen 777-X und 787 hat. Lufthansa-Aktien erholten sich mit plus 1,3 Prozent etwas von ihrem Vortagesminus. Händler nahmen Bezug auf Aussagen des Finanzvorstands, der ein positives Umfeld für das wichtige Geschäft auf der Nordamerika-Strecke sieht.
Tesla-Absatz in Frankreich und Schweden eingebrochen
Überschattet vom umstrittenen politischen Engagement des Firmenchefs Elon Musk sind die Verkaufszahlen von Tesla im März in Frankreich und Schweden weiter abgesackt. Nach offiziellen Daten erlitt die Marke in Frankreich, ihrem zweitgrößten europäischen Markt, einen Rückgang um fast 37 Prozent auf 3.157 verkaufte Elektroautos. In Schweden verzeichnete Tesla ein Minus von 64 Prozent bei 911 Auslieferungen. Tesla veröffentlicht morgen seine weltweiten Absatzzahlen, Analysten erwarten im Schnitt einen Rückgang um dreieinhalb Prozent.
OpenAI sichert sich Rekord-Finanzspritze
Der ChatGPT-Entwickler OpenAI, an dem auch der Softwareriese Microsoft beteiligt ist, hat sich 40 Milliarden Dollar von Investoren für weiteres Wachstum gesichert. Mit der beispiellosen Finanzspritze ist eine Gesamtbewertung von 300 Milliarden Dollar verbunden, wie OpenAI mitteilte. Mit dem Geld sollen unter anderem die Computer-Infrastruktur ausgebaut und die Forschung bei Künstlicher Intelligenz vorangetrieben werden. OpenAI gab auch bekannt, dass ChatGPT wöchentlich von 500 Millionen Menschen genutzt werde.
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