ADHS bleibt oft unerkannt – mit Folgen für Beruf, Beziehungen und Gesundheit. Dr. Astrid Neuy-Lobkowicz erklärt, warum besonders Frauen durchs Raster fallen und wie eine Diagnose Leben verändern kann.

Manche ihrer Patienten sind verzweifelt. So verzweifelt, dass sie vor ihr sitzen und anfangen zu weinen, erzählt Dr. Astrid Neuy-Lobkowicz, Fachärztin für Psychotherapie und Psychosomatik. Nicht selten sind es Menschen in ihrer Lebensmitte, Menschen, die schon Jahrzehnte der Anstrengung hinter sich haben. Viele können sich nicht erinnern, wann ihnen zuletzt etwas mühelos gelungen ist: Sie denken an Ausbildung, Jobs, Beziehungen zurück und sehen Lücken, Umwege, kurzum Scheitern. 

Dieser lange Leidensweg führt sie schließlich in die Praxis von Neuy-Lobkowicz. Dort stellt die Medizinerin den Betroffenen dann die erlösende Diagnose: ADHS, die sogenannte Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung.

Im stern-Podcast "Die Boss" spricht Dr. Astrid Neuy-Lobkowicz, eine der führenden ADHS-Expertinnen, mit Gastgeberin Simone Menne über die dramatischen Folgen einer späten Diagnose - und darüber, wie eine gezielte Behandlung Leben verändern kann.

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ADHS: Mehr als nur Zappeligkeit 

Als eine der ersten in Deutschland spezialisierte sich Astrid Neuy-Lobkowicz schon vor über 20 Jahren auf Erwachsenen-ADHS. Seitdem setzt sie sich dafür ein, dass diese ''neurologische Besonderheit'', wie sie es nennt, endlich ernst genommen wird. Denn ADHS sei weit mehr als Zappeligkeit und Konzentrationsschwierigkeiten – und längst nicht nur etwas, das Kinder betrifft – mit diesen Vorurteilen räumt Neuy-Lobkowicz im Podcast ''Die Boss'' auf. 

​​Doch wie lebt es sich mit einem Gehirn, das aufgrund von ADHS ständig unreguliert auf Hochbetrieb läuft? Astrid Neuy-Lobkowicz kann mitfühlen – nicht nur aus medizinischer Sicht, sondern auch aus eigener Erfahrung, als Mutter von Kindern mit ADHS und selbst Betroffene. Sie weiß: Unentdeckt könne ADHS zu jahrelangem Leiden führen. Und die Folgen seien gravierend: Schwierigkeiten im Beruf, instabile Beziehungen, psychische Begleiterkrankungen. ''Über die Hälfte der ADHS Patienten im Erwachsenenalter entwickeln Angststörungen, Depressionen oder auch Suchterkrankungen'', fügt Neuy-Lobkowicz hinzu. Warum das sogar zu einer im Schnitt dreizehn Jahre geringeren Lebenserwartung führe, erklärt sie im Podcast. 

Tiktok als Diagnostiker?

Ein weiteres Problem: fehlendes Wissen. ''Bis heute wird zum Teil ADHS nicht an den Universitäten gelehrt'', kritisiert Neuy-Lobkowicz. Immer noch herrsche Unwissen, immer noch würde ADHS als Zappel-Philipp-Syndrom abgetan. Und das trotz offizieller Leitlinien. Tiktok könne ADHS meist schon besser diagnostizieren als viele ihrer Kollegen, sagt sie. Kein Wunder also, dass Betroffene auf Social Media nach Antworten suchen. Warum dennoch im Internet große Vorsicht geboten sein sollte, wieso Aufklärung gerade bei Frauen besonders wichtig ist und was die größten Stärken von Menschen mit ADHS sind, erklärt die Expertin im Podcast. 

Erfahren Sie in der aktuellen Folge von ''Die Boss'' außerdem, was Angehörige unbedingt wissen sollten, wie sich Hormone auf die ADHS-Symptomatik auswirken und welche Strategien wirklich helfen. Abonnieren Sie den Podcast und verpassen Sie künftig keine Folge mehr. 

 

Bei "Die Boss – Macht ist weiblich" sprechen Spitzenfrauen unter sich: Gastgeberin und Multi-Aufsichtsrätin Simone Menne (unter anderem Siemens Energy und Henkel) trifft  Chefinnen aus allen Gesellschaftsbereichen, um mit ihnen über ihr Leben und ihre Karriere zu reden. "Die Boss" erscheint vierzehntäglich immer mittwochs auf stern.de  sowie auf RTL+ und allen gängigen Podcast-Plattformen. 

Hinweis der Redaktion: Der stern gehört zu RTL Deutschland.

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