Innerhalb von 24 Stunden nach Beginn seiner Präsidentschaft wollte Trump für Frieden in der Ukraine sorgen. Die Hoffnung, dass er Putin zu einem "Deal" bewegt, hatte für kräftige Gewinne bei ukrainischen Staatsanleihen gesorgt. Doch nun ist Trump "stinksauer" auf Putin und die letzten Kursgewinne sind verpufft.

Mit der schwindenden Hoffnung auf einen baldigen Frieden zwischen Russland und der Ukraine ist Anfang der Woche auch der Kurs ukrainischer Staatsanleihen eingebrochen. Der Wert vieler Schuldtitel des von Russland überfallenen Landes fiel etwa auf den Stand von Anfang November vergangenen Jahres, als Donald Trump die US-Präsidentschaftswahlen gewonnen hatte.

US-Dollar-Anleihen mit einer Laufzeit bis 2035 und 2036 wurden mit 54 Cent je Dollar Nennwert gehandelt, wie Reuters berichtet. "Definitiv beginnt der Markt die Ansicht zu vertreten, dass der Krieg länger andauern wird", zitiert die Nachrichtenagentur den Portfoliomanager Kaan Nazli vom Vermögensverwalter Neuberger Berman.

Nach Trumps Wahl hatten die Papiere eine Rally erlebt. Der Republikaner hatte im Wahlkampf versprochen, innerhalb von 24 Stunden einen Frieden herbeizuführen. Investoren wetteten darauf, dass zumindest die Chancen auf ein schnelles Kriegsende und damit auch auf einen wirtschaftlichen Aufschwung steigen würden. Zwischenzeitlich stieg der Kurs der bis 2035/36 laufenden Dollar-Anleihen auf über 70 Cent pro Dollar Nennwert. Andere Schuldtitel, die Zusatzauszahlungen vorsehen, wenn die ukrainische Wirtschaft bestimmte Wachstumsziele erreicht, wurden zeitweise mit mehr als 90 Prozent ihres Nennwertes gehandelt.

Rohstoffdeal macht Anleihe-Gläubiger skeptisch

Erste Zweifel - und Kursverluste - setzten allerdings schnell nach Trumps Amtsantritt ein, als sein Friedensversprechen immer weiter in die Ferne rückte. Gleichzeitig sorgten Trumps Vorstellungen von einem Rohstoffabkommen mit der Ukraine bei den Anleiheinvestoren für Skepsis, insbesondere die Forderung, dass die USA Zugriff auf Einnahmen des ukrainischen Staats bekommen sollten. Diese Bedingungen seien sehr negativ für Anleihegläubiger der Ukraine, sagte Maximilian Hess, Experte des Beratungsunternehmens Aurora Macro Strategies der "Financial Times". Zwar liege der Abschluss eines solchen Abkommens noch in weiter Ferne, aber wenn es dazu käme, würden Halter der Anleihen zu nachrangigen Gläubigern "und die Ukraine außerdem ein Vasallenstaat der USA".

Der Kursrutsch der ukrainischen Schuldtitel beschleunigte sich weiter, nachdem Trump persönlich mit Russlands Präsident Wladimir Putin telefoniert hatte, und dieser keinerlei Bereitschaft zu signifikanten Zugeständnissen erkennen ließ. Trumps Äußerungen vom vergangenen Wochenende, dass er wegen dessen mangelnder Kompromissbereitschaft "stinksauer" auf Putin sei, ließen die Kurse am Montag zeitweise so stark einbrechen wie zuletzt zu Beginn des Kriegs vor rund drei Jahren.

Vertieft wurden die Sorgen der Investoren durch eine pessimistische Analyse des Internationalen Währungsfonds, der seine Prognose für die ukrainische Wirtschaft nach unten korrigierte. Grund dafür sind unter anderem die fortgesetzten russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur des Landes.

"Dieser Ausverkauf ist absolut nachvollziehbar", kommentierte Paul McNamara, Direktor beim Vermögensverwalter GAM, bei Reuters die Flucht der Investoren aus den ukrainischen Schulden. "Wenn es zu einem Frieden kommt, wird es ein schlechter Friede für die Ukraine, bei dem sie wegen ihrer Mineralien ausgeplündert wird."

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