Das Kraftwerk im Keller wird weiter ausgebaut
Bastian Pfarrherr steht neben einem roten Metallkasten, der aussieht wie ein zu groß geratener Erste-Hilfe-Behälter. Es ist allerdings ein Stromspeicher an einem Parkplatz auf dem Betriebsgelände des städtischen Netzbetreibers Hamburger Energienetze. „Unser Stromspeicher hier dient ausschließlich dazu, bei Bedarf die Ladestationen für die Elektrofahrzeuge unserer Mitarbeiter und Gäste zu unterstützen“, sagt Pfarrherr, Leiter des Fachbereichs Innovationsmanagement bei Hamburger Energienetze.
Das Unternehmen betreibt das städtische Strom- und das Erdgasnetz. Der Speicher auf dem Parkplatz sei nicht mit dem öffentlich zugänglichen Netz verbunden, „weil wir als von der Bundesnetzagentur reguliertes Unternehmen keine Speicher mit Zugang zum Strommarkt betreiben dürfen“, sagt Pfarrherr. Die Anlage, die er zeigt, speichert 70 Kilowattstunden. „Das entspricht etwa der Antriebsbatterie eines oberen Mittelklassefahrzeugs mit Elektroantrieb“, sagt er. Die Zahl solcher Batteriespeicher sei in den vergangenen Jahren in Hamburg drastisch gestiegen: „In Hamburg ist heutzutage eine hohe vierstellige Zahl von Batteriespeichern in Privathaushalten in Betrieb“, sagt Pfarrherr. „Alle zusammen haben eine Gesamtleistung von 80 Megawattstunden. Damit könnte man den Hamburger Strombedarf für etwa drei Minuten decken.“
Das allerdings ist nur eine Rechengröße. Bei den kleineren Batteriespeichern steht bislang nicht die „Schwarmtauglichkeit“ im Vordergrund, die synchrone Zusammenschaltung Tausender Anlagen, sondern vor allem der Nutzen für den privaten oder gewerblichen Eigner. Viele Eigenheimbesitzer installieren mittlerweile Batteriespeicher, um Solarstrom von der Dachanlage zu speichern, um einen kommerziellen Vorteil zu realisieren und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.
Die Bedeutung solcher Batteriespeicher in der privaten oder kleingewerblichen Anwendung wird in den kommenden Jahren voraussichtlich stark steigen: „Vattenfall sieht großes Potenzial für die Energiewende im eigenen Heim – und mithin auch Batteriespeicher als einen wichtigen Baustein, insbesondere in Kombination mit Fotovoltaikanlagen, Wärmepumpen oder Wallboxen für das Elektroauto“, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Vattenfall ist in Hamburg Marktführer bei der Stromversorgung von Privathaushalten. „Bereits heute verbauen wir bei mehr als 90 Prozent unserer Fotovoltaikkunden auch einen Batteriespeicher.“
Und die interaktiven Fähigkeiten von Batteriespeichern in Haushalten werden per Gesetz noch erweitert. Mit Einführung des Paragrafen 14a des Energiewirtschaftsgesetzes müssen seit dem 1. Januar 2024 alle neu installierte Batteriespeicher „als steuerbare Verbrauchseinrichtungen beim Netzbetreiber angemeldet werden“, so Vattenfall. „Als Gegenleistung für die Anmeldung als steuerbare Verbrauchseinrichtung unter einem Haushaltszähler hat der Gesetzgeber eine pauschale Vergütung der Netznutzungsentgelte vorgesehen.“ Vom 1. April an könne ein Stromkunde und Speicherbetreiber „dann noch zeitvariable Netzentgelte wählen. Über eine Verlagerung des Stromverbrauchs und auch von Batterieladungen zu Zeiten mit niedrigen Netzentgelten können sich Kunden weiter optimieren.“
Die nötigen Mess- und Abrechnungsgeräte vorausgesetzt, können Privathaushalte mit ihren Batteriespeichern nun ähnlich agieren wie Betreiber kommerzieller Speicheranlagen – sie können Strom, den sie selbst günstig gekauft haben, entweder nutzen oder ihn teurer verkaufen, auch mithilfe neuer Tarife: „Energiemanagement-Apps gewinnen an Bedeutung, wenn es um das intelligente Zusammenspiel von Haushaltsgeräten, Wärmepumpe, Fotovoltaikanlage, Batteriespeicher oder E-Auto sowie dynamischen Tarifen und Verbräuchen geht. Vattenfall bringt aktuell ein solches Produkt auf den Markt.“
Große Batteriespeicher hingegen erscheinen für den Bau und den Einsatz in der Stadt auf absehbare Zeit nicht geeignet. Anfragen dafür hat der städtische Betreiber Hamburger Energienetze zwar bereits, aber die Chancen auf die Realisierung solcher Projekte sind vermutlich gering. „Wir haben derzeit etwa 20 Anfragen für den Bau großer Batteriespeicher mit Zugang zum Hamburger Stromnetz, die eine Gesamtleistung von 2000 Megawatt – zwei Gigawatt – umfassen“, sagt Bastian Pfarrherr. „Allerdings haben wir in Hamburg nicht genügend Flächen, um große Batteriespeicher aufzubauen. Diese Speicher geben sehr viel Wärme ab, sie können nicht in die Höhe gebaut werden.“ Ein Speicher mit 200 Megawatt Stromleistung bräuchte die Fläche eines Fußballfeldes, sagt er. Und nicht nur an kostbaren Flächen für Fußballfelder mangelt es in Hamburg, sondern vor allem auch für Wohnungen und für Häuser.
Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Die Energiewirtschaft zählt zu seinen Schwerpunktthemen.
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