Teslas Abstieg: Wenn Elon Musk doch nur der Hauptgrund wäre
Die Zeichen von Nervosität sind unübersehbar im Tesla-Reich. Erst rief Elon Musk seine Beschäftigten Ende vergangener Woche abends zu einer Zusammenkunft, die er in seinem Onlinedienst X übertragen ließ. Er sprach in Bezug auf die aktuelle Nachrichtenlage zu Tesla von "Armageddon". Und davon, dass es Zeiten gäbe, in denen man "rocky moments" erlebe. Er flehte die Beschäftigten an, ihre Aktien zu halten – trotz der jüngsten Kursverluste.
Am deutschen Standort in Grünheide bei Berlin gab es bei einer Betriebsversammlung ein paar Tage später laut Berichten Tumulte – Betriebsräte mit einem Transparent wurden vom Werkschutz herauskomplimentiert.
Der wertvollste Autohersteller der Welt erlebt in der Tat heftige Momente: Absatzrückgänge, Probleme beim Markenimage, Börsenwert zeitweise im Sinkflug, zumindest dieser hat in den letzten Tagen einstweilen gestoppt und leicht umgekehrt. Besonders in Europa und China sehen aber die Zulassungszahlen von Tesla derzeit verheerend aus. Um die Hälfte, in Deutschland sogar um drei Viertel lagen sie Anfang des Jahres unter den Werten des Vorjahrs.
Ist Elon Musk Schuld an Teslas Abstieg?
Der rückläufige Auto-Absatz wird oft mit dem schlechten öffentlichen Bild von Elon Musk in Verbindung gebracht. Potenzielle Kunden, so die Erklärung, wollen nichts mit ihm zu tun haben: einem, der in Deutschland die in Teilen verfassungsfeindliche AfD unterstützt, in England für einen rechtsradikalen Gewalttäter kämpft, und in seiner südafrikanischen Heimat offen rassistische Kreise protegiert.
"Was Tesla einst stark gemacht hat, hat viel mit der Persönlichkeit von Elon Musk zu tun", erläutet Jürgen Starkmann, Branchenberater und Professor an der Universität St. Gallen. "Er hat sie in den Boom getrieben – jetzt ist der Abstieg umso steiler." Stackmann hat als einstiger Vertriebsvorstand bei VW weitläufige Einblicke, insbesondere in den Autoverkauf. Zu Zehntausenden haben Tesla-Fahrer nach Musks Aktivitäten für Trump und die AfD distanzierende Sticker auf ihre Fahrzeuge geklebt – oder diese gleich ganz verkauft. Gerade die technikoptimistische und klimasensible Zielgruppe, die Tesla lange angesprochen hat, scheint nun maximal abgeschreckt.
Aber die Tesla-Misere ist weitaus größer. "Elon Musk ist ein Faktor, aber das erklärt nicht das Bild", sagt Stackmann. "Der Tag rückt näher, an dem offenbar wird, dass Tesla nur ein Autohersteller ist." Das Problem: Als Autohersteller mag Tesla immer noch seine Qualitäten haben, doch das rechtfertigt nicht die Börsenbewertung von immer noch über 850 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Der Volkswagen-Konzern wird mit 55 Milliarden Euro bewertet, obgleich dieser rund fünfmal so viele Fahrzeuge verkauft wie Tesla.
stern+ und Klassik Radio Select
statt 11,96 € nur 1 €
- Alles von stern+ mit erstklassigen Inhalten von GEO und Capital
- 4 Wochen testen, dann 2,99 € je Woche
- jederzeit kündbar
-
2 Monate Klassik Radio Select geschenkt mit 180 Musiksendern
Bereits registriert?
- Tesla
- Elon Musk
- Elektroauto
- Donald Trump
- Grünheide
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke