Alfa Romeo bietet sein kleines SUV Junior als Q4 mit Allradantrieb an. Das Besondere: Ein 48-Volt-Elektromotor treibt die Hinterachse an - unter bestimmten Umständen. Der Junior bleibt nirgendwo stecken, fährt sportlich und sicher auch auf rutschiger Straße. Allerdings schrumpft der Kofferraum, während Gewicht und Verbrauch steigen.

Ein Mild-Hybrid-System mit 48 Volt Betriebsspannung und einem kleinen E-Motor haben inzwischen viele Autos an Bord. Der Vorteil: Mit vergleichsweise geringem Aufwand lässt sich beim Bremsen elektrische Energie gewinnen. Dadurch spart der Verbrennungsmotor Sprit, wenn ihn die elektrische Maschine beim Beschleunigen unterstützt. Alfa Romeo treibt jedoch bei der inzwischen vierten Modellvariante seines kleinen SUV auf die Spitze, was mit 48 Volt möglich ist: Der Junior Ibrida Q4 bekommt gleich zwei E-Motoren. Damit mutiert der Italiener zu einem Einstiegspreis von 37.000 Euro zum Allradler.

An der Vorderachse übernimmt der Q4 die Antriebstechnik des Junior Ibrida mit Frontantrieb. Dessen Turbobenziner mit 1,2 Liter Hubraum und 100 kW/136 PS bekommt Unterstützung von einer E-Maschine mit 21 kW/29 PS, die in ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe integriert ist.

Faktisch ein Teilzeit-Allradler

Beim Q4 - das Kürzel steht bei Alfa Romeo für die Allrad-Version - setzen die Italiener zusätzlich auf einen zweiten Elektromotor an der Hinterachse. Der ist ebenfalls 21 kW/29 PS stark - und treibt in verschiedenen Modi bis maximal 90 km/h zeitweise die Hinterräder an. Damit ist der Q4 ohne mechanische Verbindung zur Antriebseinheit der Vorderachse faktisch ein Teilzeit-Allradler.

Doch was können nicht einmal 30 PS an der Hinterachse ausrichten? Eine erste Testfahrt rund um Turin zeigt: Bei niedrigen Geschwindigkeiten ist kein Nachteil zu einem konventionellen Allradler auszumachen. Immerhin sorgt ein Untersetzungsgetriebe dafür, dass aus den 88 Newtonmeter Drehmoment des hinteren E-Motors bis zu 1900 Newtonmeter an den Rädern werden. Damit liegt ordentlich Durchzugskraft an, wenn sich die Hinterachse zuschaltet. Welchem Zweck sie dient, regeln vier Fahrprogramme.

Das erste, schlicht Q4 genannt, steuert den Antrieb mit dem Ziel bestmöglicher Traktion. Dieser Modus empfiehlt sich für Fahrbahnbeläge mit geringer Haftung. Ob auf einer verschneiten Bergstraße im Winter oder einer nassen Wiese: Bis 30 km/h werden alle vier Räder permanent angetrieben. Davon konnten wir uns auf einem Schotterweg überzeugen. Durch starke Regenfälle hatte dieser sogar unplanmäßig einige Schlammabschnitte zu bieten. Traktionsprobleme? Fehlanzeige. Bei höheren Geschwindigkeiten bis 90 km/h schaltet das Antriebsmanagement die Hinterachse nur zu, wenn sie benötigt wird. Also immer dann, wenn die Vorderräder Schlupf bekommen.

"Boosten" im Dynamik-Modus

Sportsfreunde werden am Dynamik-Modus Gefallen finden. Der nutzt die hintere Antriebseinheit mit ihrer maximalen Leistung bis 40 km/h zum "Boosten". Damit soll verhindert werden, dass die Traktionskontrolle an der Vorderachse eingreifen muss. Beim harten Beschleunigen aus engen Serpentinen ist der zusätzliche Schub am Heck deutlich zu spüren. Zudem soll sich die Untersteuerneigung um bis zu 30 Prozent verringern.

Wer einfach nur bei Alltagsfahrten sicherstellen möchte, im Zweifelsfall über ausreichend Traktion zu verfügen, wählt das Programm "Natural". Bis zu Geschwindigkeiten von 90 km/h schaltet sich der Antrieb an der Hinterachse bei Bedarf automatisch zu. Dieses Prinzip nutzen übrigens auch viele mechanische Allradantriebe, um Kraftstoff zu sparen.

Diesem Zweck widmet sich der vierte Modus des "Advanced Efficiency", der auf hohe Effizienz abzielt. Das Antriebsmanagement versucht, mit möglichst niedrigen Drehzahlen auszukommen und die Klimaanlage wechselt in einen Eco-Modus. Allrad gibt es wie im "Natural"-Modus nur bei Bedarf.

Damit die hintere Antriebseinheit nicht durch einen leeren Akku ausgebremst wird, hat Alfa Romeo vorgesorgt. Eine "Power Looping" genannte Funktion sorgt dafür, dass der Allradantrieb des Q4 immer verfügbar ist. Denn die Batterie des 48-Volt-Systems fasst gerade einmal 0,42 Kilowattstunden. Ist sie leer, dient die vordere E-Maschine als Generator - angetrieben vom Benzinmotor. Strom für den elektrischen Kollegen an der Hinterachse entsteht so in Echtzeit.

Angenehm leise

Die Serienausstattung des Q4 bietet unter anderem 18-Zoll-Räder, Matrix-LED-Scheinwerfer, ein Infotainmentsystem mit 10,25-Zoll-Display und Navigation, ein Soundsystem mit sechs Lautsprechern sowie eine elektrisch betätigte Heckklappe.

Wie auch der Junior Ibrida mit Vorderradantrieb fährt sich der Q4 angenehm leise. Bei Autobahntempo dominieren Abroll- und Windgeräusche. Wird dem 1,2-Liter-Turbomotor Leistung abgefordert, klingt er sportlich sonor - und überfordert dröhnend wie manch anderer Dreizylinder.

So weit, so gut. Doch die zusätzliche Antriebseinheit an der Hinterachse fordert auch ihren Tribut. Das Kofferraumvolumen sinkt durch den benötigten Bauraum um 75 auf 340 Liter, während das Leergewicht um stolze 195 Kilogramm auf 1,5 Tonnen steigt. Anders ausgedrückt sind das 18 Prozent weniger Gepäck und 15 Prozent mehr auf der Waage. Das wirkt sich auch auf den Benzinverbrauch aus: 5,4 statt 4,8 Liter sind 12,5 Prozent mehr.

Wer mit dem Kauf eines Alfa Romeo Junior Ibrida liebäugelt, sollte die Vor- und Nachteile der Allradversion Q4 in jedem Fall sorgfältig mit seinem persönlichen Fahrprofil abgleichen.

Alfa Romeo Junior Ibrida Q4 - technische Daten

  • Fünftüriges, fünfsitziges SUV der Kleinwagen-Klasse (B-Segment); Länge: 4,17 Meter, Breite: 1,78 Meter (mit Außenspiegeln: 1,98 Meter), Höhe: 1,54 Meter, Radstand: 2,56 Meter, Kofferraumvolumen: 340-1205 Liter
  • 1,2-Liter-Benziner: 100 kW/136 PS, Drehmoment 230 Nm und zwei Elektromotoren: je 21 kW/29 PS, Drehmoment 55 und 88 Nm; Systemleistung: 107 kW (145 PS), Allradantrieb, 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, 0-100 km/h: 9,1 s, Vmax: 200 km/h, Normverbrauch: 5,4 l/100 km, CO2-Ausstoß: 119-121 g/km
  • Preis: ab 37.000 Euro

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke