Bonitätsscore selbst nachrechnen – Die Schufa beendet ihre Geheimniskrämerei
Verbraucher sollen künftig einen besseren Einblick bekommen, wie die Schufa ihre Kreditwürdigkeit bewertet. Damit kommt die Auskunftei Forderungen von Verbraucherschützern nach mehr Transparenz nach. Auch der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat dies in einem Urteil im Februar angemahnt.
„Als weltweit erste Auskunftei bietet die Schufa einen neuen Bonitätsscore, den Verbraucherinnen und Verbraucher anhand ihrer eigenen Daten selbst nachrechnen können“, sagte Tanja Birkholz, Vorstandsvorsitzende der Schufa, bei der Vorstellung des neuen Scores. Banken, Leasingunternehmen, Versandhändler, aber auch Mobilfunkanbieter fragen bei der Schufa Bonitätsscores ab, um die Zahlungsfähigkeit ihrer möglichen Kunden einzuschätzen.
Ein schlechter Score kann für Verbraucher bedeuten, dass sie im Internet keinen Einkauf auf Rechnung vornehmen können oder ihnen ein Kredit oder Mobilfunkvertrag verweigert wird. Eine schlechte Bonitätsnote kann zudem Kredite teurer machen.
In der Vergangenheit war dieser Bonitätsscore für die Verbraucher eine Blackbox. Wie genau er zustande gekommen ist, hütete die Schufa als Geschäftsgeheimnis. Zwar machte sie Angaben, welche Kriterien den Score verschlechterten, doch das genaue Ausmaß blieb unbekannt. Das soll sich künftig ändern.
Statt mehr als 250 mögliche Kriterien spielen dann nur noch zwölf Kriterien eine Rolle bei der Bewertung der Zahlungsfähigkeit. Jedes dieser Kriterien, zu denen unter anderem Zahlungsausfälle, das Alter des ältesten Bankvertrages und Kredite mit der längsten Restlaufzeit zählen, wird mit einer bestimmten Punktzahl belegt. In einem Schufa-Account können Verbraucher diese Informationen dann einsehen.
Auch heute ist dies in Teilen schon möglich. Der aktuelle Basisscore zeigt zwar die wahrscheinliche Zahlungsfähigkeit in fünf Klassen von „hervorragend“ bis „ungenügend“ mit einer Prozentzahl an. Doch wie stark welches Kriterium genau gewichtet ist, bleibt unbekannt.
Neuer Schufa-Score soll Branchenscores ersetzen
Tatsächlich wird dieser Basisscore auch gar nicht an Banken oder andere Schufa-Kunden geliefert. Sie rufen vielmehr einen von sechs Branchenscores ab oder einen Score, der individuell für das jeweilige Unternehmen ausgearbeitet wurde. Der bislang einsehbare Basisscore ist nur der Durchschnitt der Branchenscores.
Diese Branchenscores sollen künftig durch den einheitlichen Schufa-Score ersetzt werden. Die Auskunftei geht davon aus, dass der neue Score bis Ende des Jahres verfügbar sein wird.
Derzeit wird seine Prognosegüte von 17 Banken und Unternehmen getestet. Bis Banken auf den neuen Score umsteigen, dürfte jedoch noch einige Zeit vergehen, nicht zuletzt, weil die Branche stark reguliert ist und es eine Abstimmung mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) geben muss.
Mit der Umstellung schafft die Schufa auch einige Einflüsse auf die Kriterien ab, die immer wieder zu Kritik von Verbraucherschützern geführt haben. So werden mehrere Anfragen nach Girokonten und Kreditkarten und der Abschluss eines Vertrages innerhalb einer 28-Tage-Frist nicht mehr wie bisher mehrfach gezählt, was eine negative Auswirkung auf den aktuellen Score hatte.
Die Einsicht in den Schufa-Account und auf den neuen Score soll voraussichtlich ab Ende des Jahres kostenlos verfügbar sein. Dort ist dann auch einsehbar, was die Schufa im Detail gespeichert hat. Eine Anmeldung ist über die Online-Ausweisfunktion des Personalausweises (eID) in Verbindung mit der dazugehörigen PIN möglich, die Verbraucher von der ausstellenden Behörde erhalten.
Den aktuellen Basisscore können Verbraucher über die Bonify-App der Schufa-Tochter Forteil abrufen. Auch hier ist eine Anmeldung mit der eID notwendig.
Eine Abfrage ist als Datenkopie auf Grundlage der Europäischen Datenschutzgrundverordnung aber auch direkt über die Website der Schufa möglich. Im Anschluss bekommen Interessenten kostenlos auf Papier alle Daten nach Hause geschickt, die über sie bei der Schufa gespeichert sind.
Thomas Heuzeroth ist Wirtschaftsredakteur i1n Berlin. Er berichtet über Verbraucher- und Technologiethemen, Unterhaltungselektronik und Telekommunikation.
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