Und dann warnt der Noch-Wirtschaftsminister vor zerstörerischer Deflation
In den USA erwarten die meisten Experten wegen der neuen Zölle der Regierung von Präsident Donald Trump deutlich steigende Preise bei Produkten, die aus dem Ausland importiert werden. Doch in Europa könnten die Preise als Folge des Handelskrieges sogar sinken, glaubt Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).
Er warnt allerdings, dass auch diese Deflation dem Wirtschaftsstandort Deutschland langfristig schaden könnte. „Es kann auch sein, dass der deflationäre Druck in Deutschland steigt“, sagte Habeck.
Chinesische Produzenten, die ihre Waren wegen der hohen Zölle nicht mehr in den USA verkaufen können, würden sich neue Märkte suchen – auch in Europa. Dort würden die Produkte dann womöglich zu niedrigeren Preisen angeboten, um sie überhaupt loswerden zu können.
Das könne allerdings dann wiederum „die eigene Industrie kaputt machen“, weil die deutschen Unternehmen mit den Dumpingpreisen nicht mehr konkurrieren könnten. Einen solchen Fall habe man beispielsweise vor einigen Jahren in der Solarindustrie gesehen, als chinesische Hersteller den Markt regelrecht mit billigen Modulen überflutet hatten.
Noch könne man die Folgen US-Zollentscheidung in dieser Hinsicht nicht endgültig abschätzen, sagte Habeck, aber es könne zur Deflation, „also einer Vergünstigung durch Marktschwemme“, kommen. Er gehe jedenfalls davon aus, dass durch die neuen Zölle „Ausweichbewegungen“ im globalen Handel entstehen werden, die womöglich zu sinkenden Preisen und schlimmstenfalls „zur Zerstörung der eigenen industriellen Produktion führen kann“, so der Minister.
„Es wird Effekte geben, die man jetzt am ersten Tag noch gar nicht so richtig sehen kann.“ Diese Effekte seien „nicht gesteuert und planbar, gut vorbereitet, sondern sie werden auch da disruptiven Charakter haben“.
Er könne die „Leidenschaft für das Wort ,disruptiv‘“ nicht verstehen. Disruption bedeute: „Im Grunde gibt man die Dinge aus der Hand, wir verlieren die Kontrolle, wir verlieren die Ordnung, wir verlieren die regelhafte Dynamik“, sagte Habeck. „Und diese regelhafte Dynamik ist doch eigentlich das, was eine Marktwirtschaft ausmacht.“
Philipp Vetter ist Wirtschaftskorrespondent in Berlin. Er berichtet über das Bundeswirtschaftsministerium, Wirtschaftspolitik, Energiepolitik, Verkehrspolitik, Mobilität und die Deutsche Bahn. Seinen exklusiven WELTplus-Newsletter können Sie hier abonnieren.
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