Fragt man erfahrene Investoren, was das Wichtigste beim Anlegen ist, lautet die Antwort wohl meist: ein diversifiziertes Portfolio. Denn durch den Handel mit Aktien und ETFs aus verschiedenen Branchen können Anleger Risikos minimieren und stetige Erträge erzielen. Welche Industrien am besten ins eigene Portfolio passen, hängt jedoch von der Risikobereitschaft sowie den eigenen Interessen und Präferenzen ab.

Eine Investmentmöglichkeit sind Rüstungsaktien. Die Aktienkurse vieler Rüstungskonzerne haben sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt, so etwa die von Rheinmetall. Während die Aktie Anfang 2022 noch unter 85 Euro lag, stand sie Anfang 2024 bei 288 Euro. Zeitweise erreichte die Aktie sogar eine Höhe von 560 Euro – und war somit das siebenfache wert im Vergleich zu 2022.

Gleichzeitig spielt auch die geopolitische Lage beim Investieren eine Rolle. Nach Angaben des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) stiegen im Jahr 2023 die weltweiten Militärausgaben auf 2,4 Billionen US-Dollar. Vier Jahre zuvor lagen die Ausgaben noch bei 1,9 Billionen US-Dollar – das ergibt eine Steigerung von mehr als 20 Prozent. Viele Anleger wittern deshalb die Chance, mit Rüstungsaktien oder -ETFs (Exchange Traded Funds) in einen stetig wachsenden Sektor einsteigen zu können.

Aktien kaufen: Was sind Rüstungsaktien?

Rüstungsaktien repräsentieren Unternehmensanteile von Firmen, die in der Rüstungs- und Verteidigungsindustrie tätig sind. Diese Unternehmen spezialisieren sich auf verschiedene Produkte und Dienstleistungen, darunter auch Waffensysteme.

Ein weiterer großer Bereich sind Fahrzeuge, Flugzeuge und Schiffe, wie etwa Panzer, Kampfjets oder U-Boote. Zudem stellen technologische Entwicklungen und die Cyber-Sicherheit wachsende Sektoren innerhalb der Rüstungsindustrie dar.

Rüstungsunternehmen können vollständig privatwirtschaftlich geführt oder auch staatlich gefördert sein. Sie arbeiten häufig eng mit Regierungen zusammen und können von staatlichen Aufträgen abhängig sein. Politische Entscheidungen und Budgetkürzungen haben somit oft direkte Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit.

Rüstungsindustrie: Wo kann ich Rüstungsaktien handeln?

Rüstungsaktien können, so wie andere Aktien auch, über ein Wertepapierdepot bei einer Bank oder einem Broker gehandelt werden. Über Trade Republic*, Finanzen.net zero* oder eToro* etwa können Anleger Aktien von Rüstungskonzernen wie Lockheed Martin, Rheinmetall, General Dynamics, Hensoldt und L3Harris Technologies kaufen und verkaufen.

Deutsche Rüstungsunternehmen: Diese Konzerne werden an der Börse gehandelt

In Deutschland sind einige namhafte Rüstungsunternehmen ansässig. Zu den bekanntesten Unternehmen, die auch an der Börse gehandelt werden, zählen:

  1. Rheinmetall AG: Der Rüstungskonzern mit Hauptsitz in Düsseldorf ist ein führender Anbieter von militärischen Fahrzeugen und Waffensystemen. Zu den bekanntesten Modellen gehören die Kampfpanzer Puma, Panther und Leopard 2. Rheinmetall ist auch im Bereich der zivilen Automobilzulieferung tätig, was zu einer gewissen Diversifikation des Unternehmens führt.
  2. Hensoldt AG: Der bayerische Konzern ist auf Sensorlösungen spezialisiert und liefert hochmoderne Radar-, Optik- und elektronische Systeme für militärische und zivile Anwendungen. Hensoldt hat sich als Technologieführer in den Bereichen Aufklärung und Überwachung etabliert und bietet seine Produkte weltweit an.
  3. MTU Aero Engines: Triebwerke für militärische Flugzeuge gehören zum Hauptgeschäft von MTU Aero Engines. Das Unternehmen entwickelt, produziert und wartet Triebwerke für Kampfflugzeuge, Hubschrauber und Drohnen. Der Hersteller ist außerdem mitwirkend in der Produktion der Triebwerke des Eurofighters Typhoon und der neuen Boeing 777X. MTU Aero Engines hat eine starke Präsenz in der internationalen Luft- und Raumfahrtindustrie.

Die Aktien von deutschen oder europäischen Unternehmen bieten in der Regel den Vorteil, dass diese direkt in Euro gehandelt werden. Somit besteht kein zusätzliches Risiko durch Währungsschwankungen.

Aktien Rüstungsindustrie: Lockheed Martin, Northrop Grumman und mehr

Die USA sind der weltweit größte Markt für Verteidigungsgüter. Entsprechend beherbergen sie auch die mitunter größten Rüstungsunternehmen der Welt.

  1. Lockheed Martin hat einen Marktwert von über 100 Milliarden US-Dollar und ist weltweit führend in der Entwicklung von Flugzeugen und Raketenabwehrsystemen. Zu den bekanntesten Modellen des Herstellers gehören wohl die F-16, F-22 und die F-35, welche auch für die deutsche Luftwaffe als Nachfolge für den Tornado bestellt wurde.
  2. Northrop Grumman ist bekannt für seine technologischen Innovationen und hat eine starke Position in den Bereichen Cyber-Sicherheit und Raumfahrt. Northrop Grumman ist auch ein wichtiger Lieferant von Drohnen und anderen unbemannten Luftfahrzeugen. Eine der wohl bekanntesten unbemannten Drohnen ist der Global Hawk.
  3. Raytheon Technologies hat sich einen Namen im Bereich der Raketenabwehr gemacht und ist ein wichtiger Lieferant für das US-Militär. Das Unternehmen hat kürzlich mit United Technologies fusioniert, um seine Position im globalen Verteidigungsmarkt weiter zu stärken.
  4. General Dynamics ist führend im Bau von Kampffahrzeugen und Schiffen und bietet auch IT-Dienstleistungen für das Militär an. Der Konzern ist bekannt für seine Abrams-Panzer und Virginia-Klasse U-Boote.

Bei den Aktien von amerikanischen Unternehmen muss beachtet werden, dass diese in der Regel in US-Dollar gehandelt werden. Je nach Schwankung des Wechselkurses kann sich das negativ auf die Rendite auswirken.

Rüstungsaktien: Worauf sollte man bei einem Investment achten?

Wichtig bei Aktienentscheidungen ist immer die individuelle Situation des Unternehmens, in das investiert werden soll. Zu beachten ist nicht nur die Marktposition und finanzielle Stabilität, sondern auch die Innovationskraft eines jeweiligen Rüstungsunternehmens.

Unternehmen mit einer starken Marktstellung und wettbewerbsfähigen Produkten haben tendenziell stabilere Erträge. Beispiele hierfür sind etwa Lockheed Martin und Boeing, zwei Unternehmen mit starker Marktpräsenz und einer kontinuierlichen internationalen Nachfrage.

Um langfristig als Unternehmen erfolgreich zu sein, ist aber auch Innovation wichtig. Die Rüstungsindustrie investiert viel Geld in den Bereich der Forschung und Entwicklung (R&D) und meldet regelmäßig Patente an. Diese Patente finden oft auch im zivilen Bereich Anwendung und sind damit besonders werthaltig. In der Vergangenheit haben sich unter anderem Hensoldt und Rheinmetall durch ihre Innovationskraft hervorgetan.

Auch die zunehmende Digitalisierung und Technologisierung von Verteidigungssystemen sollte bei einem Investment bedacht werden. Technologien wie Künstliche Intelligenz, Cyber-Sicherheit oder autonome Systeme spielen in der Rüstungsindustrie eine immer wichtigere Rolle. Konzerne, die in diesen Bereichen führend sind, profitieren von steigenden Investitionen und einer kontinuierlich hohen Nachfrage.

Es muss aber beachtet werden, dass die Rüstungsindustrie staatlich reguliert wird. Entsprechend empfiehlt es sich als Anleger, die politischen und wirtschaftlichen Bedingungen der Länder und wichtigsten Absatzmärkte zu berücksichtigen. Änderungen in der Verteidigungspolitik oder im -etat können direkte Auswirkungen auf die Aktienkurse haben.

Rüstungsaktie: Auch diesen britischen Konzern sollte man im Auge behalten

Neben den oben aufgezählten deutschen und amerikanischen Rüstungsunternehmen kann auch ein britisches Unternehmen interessant sein: BAE Systems, ein führender Anbieter von Verteidigungselektronik und gepanzerten Fahrzeugen. Der Konzern hat eine starke Präsenz in Europa und Nordamerika und ist bekannt für seine breite Produktpalette, die von U-Booten bis zu Cyber-Sicherheitssystemen reicht. Gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung kann BAE Systems durch den besonderen Fokus auf elektronische Systeme ein spannendes Unternehmen sein.

Rüstungs-ETFs: Drei beliebte Beispiele

Neben den Aktien individueller Rüstungsunternehmen können Anleger auch in Rüstungs-ETFs investieren. Diese stellen ein diversifiziertes Portfolio dar, was das Risiko eines Investments entsprechend streut. Beispiele für solche ETFs sind:

  1. Future of Defence ETF (HANetf): Dieser ETF umfasst eine breite Auswahl an Unternehmen aus der Verteidigungs- und Sicherheitsbranche weltweit. Er deckt verschiedene Subsektoren wie Cyber-Sicherheit, autonome Systeme und fortschrittliche Technologien ab.
  2. iShares U.S. Aerospace & Defense ETF: Hiermit investieren Anleger in US-amerikanische Unternehmen, die im Bereich der Verteidigung, Luft- und Raumfahrt tätig sind. Dazu gehören große Namen wie Lockheed Martin, Boeing und Raytheon Technologies.
  3. SPDR S&P Aerospace & Defense ETF: Hier werden Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrt- sowie Verteidigungsindustrie abgedeckt, was eine breite Diversifikation innerhalb des Sektors bietet.

Rüstungsindustrie: Die Gewissensfrage beim Investieren

Investitionen in Rüstungsunternehmen sind moralisch umstritten. Einige Privatanleger vermeiden diesen Sektor aufgrund ethischer Überzeugungen, vor allem wenn es um die Produktion von Waffen geht, weil sie sich nicht an Krieg und dem Leid anderer Menschen bereichern wollen.

Viele Rüstungsunternehmen sind aber nicht nur in militärischen, sondern auch zivilen Sektoren tätig. Die Hensoldt AG etwa entwickelt zivile Sensorlösungen, während Rheinmetall im Automobilbereich tätig ist. Für manche Anleger erleichtert das die Gewissensfrage. Gleichzeitig kann es einer Aktie zusätzliche Stabilität verleihen, wenn sich Unternehmen auf mehrere Produkte und Bereiche spezialisieren.

Die Entscheidung, Rüstungsaktien zu kaufen, muss jeder Anleger für sich selbst fällen. Investoren sollten sich aber bewusst sein, dass auch regulatorische Faktoren Auswirkungen auf ein Investment haben können. Etwa, wenn es zu Änderungen in der Verteidigungspolitik kommt. Das kann die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens beeinflussen, oder zu Unsicherheiten am Markt führen.

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