Landesministerium sorgt für Aus von Ifo-Institut im Osten
Das Ifo-Institut betreibt seit 30 Jahren eine Niederlassung in Dresden, die sich speziell der Wirtschaftsforschung im Osten widmet. In zwei Jahren ist damit Schluss. Der Freistaat Sachsen kürzt seinen Haushalt und damit die Förderung. Alle Arbeitsplätze fallen weg.
Wegen der kurzfristigen und unerwarteten Kürzung des Finanzierungsbeitrags aus Sachsen plant das Ifo-Institut die Schließung seiner Niederlassung in Dresden für Mitte 2027. "Begründet wurde das vonseiten des Sächsischen Staatsministeriums der Finanzen mit der Notwendigkeit, im Gesamthaushalt zu sparen", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Trotz "mehrerer, konstruktiv geführter Gespräche" sei es nicht gelungen, eine tragbare Zukunftsperspektive zu finden.
"Für uns war das ein großer Schock", sagte Marcel Thum, Leiter der Niederlassung in Dresden. Die Stellen beim Ifo in Dresden sollen demnach komplett wegfallen. Unklar ist unter anderem noch, wie es mit dem Geschäftsklimaindex weitergeht, mit dem das Ifo in Dresden kontinuierlich die Stimmung in der ostdeutschen Wirtschaft beobachtet.
Die 13 Mitarbeiter seien am Morgen informiert worden. Bei einem Großteil handelt es sich um Doktoranden. "Sie werden fertig promovieren, egal ob in Dresden oder in München", sicherte Thum zu. Auch für die restlichen Mitarbeiter werde man Lösungen finden. Das Ifo-Institut sei für Gespräche mit dem Finanzministerium weiterhin offen, so Thum. Innerhalb der nächsten Wochen könne man die Entscheidung bei einem "Sinneswandel in der sächsischen Regierung" noch rückgängig machen.
Aufgrund der spontanen Budgetkürzung würden die ersten Stellen bereits vor dem Aus der Niederlassung gestrichen werden müssen. Womöglich muss die Niederlassung auch ein Übergangsbüro beziehen, um Kosten zu sparen, sagte Joachim Ragnitz, stellvertretender Ifo-Chef in Dresden, in den "Dresdner Neuesten Nachrichten": "Für uns ist das sehr bitter".
"Wir haben in das Institut und unsere Forschungen hier viel Herzblut reingesteckt", so Ragnitz. Er monierte, dass die sächsische Regierung an ökonomischer Beratungsexpertise verlieren würde. An der Technischen Universität in Dresden würden Vorlesungen und Praktikumsmöglichkeiten für die Studierenden wegfallen.
Sachsen an Ifo-Fortführung "interessiert"
Sachsens Finanzministerium bedauert die Entscheidung des Ifo-Instituts. "Wir sind weiterhin an der Fortführung der über 30 Jahre gehenden Zusammenarbeit mit dem Ifo-Institut interessiert", sagte ein Sprecher auf Anfrage. Man habe ein Finanzierungskonzept entwickelt, mit dem ein Fortbestehen des Instituts in Dresden möglich gewesen wäre. Aus Ministeriumssicht wären jedoch strukturelle Veränderungen nötig.
Die Dresdner Niederlassung des Wirtschaftsforschungsinstituts beschäftigt sich seit seiner Eröffnung 1993 besonders mit den Belangen der Ost-Länder und insbesondere Sachsens. Laut Thum gibt es weder im Osten noch im Rest Deutschlands eine andere Einrichtung mit ähnlichen Kompetenzen.
Der Dresdner Institutszweig untersucht, wie der Strukturwandel gezielt unterstützt und sozialverträglich gestaltet werden kann, welche Faktoren die Wirtschaftsentwicklung speziell in Sachsen beeinflussen und wie auf aktuelle und künftige finanzpolitische Herausforderungen reagiert werden kann. Die Niederlassung erstellte zahlreiche Gutachten für Sachsen und andere Bundesländer sowie verschiedene Bundesministerien.
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