Trumps Zoll-Kurs demonstriert, wie einfach populistische Politik funktioniert
Der Jubel über die neuen Zölle von US-Präsident Donald Trump folgte prompt auf die Ankündigung: „Wir applaudieren der Trump-Administration dafür, dass sie sich dafür einsetzt, das Freihandelsdesaster zu beenden, das die Arbeiterklasse seit Jahrzehnten in den Ruin treibt“, sagte Shawn Fain, der Vorsitzende der Gewerkschaft United Automobile Workers (UAW) laut einer Mitteilung.
Während in Europa die Angst vor dem Ende der lukrativen Autoexporte in die USA umgeht, kann sich Trump der Zustimmung eines Teils seiner Wählerbasis sicher sein. Die Auto-Arbeiter in Detroit sehen in ihm den Retter ihrer Arbeitsplätze.
So einfach funktioniert populistische Politik. Es ist eine Formel, die in Deutschland auch leicht verfangen könnte: Für den Verlust von Arbeitsplätzen in der eigenen Industrie macht Trump ausländische Mächte verantwortlich. Als einfache Lösung bietet er Zölle an. Oder, wie es die UAW klassenkämpferisch beschreibt: „Eine längst überfällige Abkehr von einem schädlichen wirtschaftlichen Rahmen, der die Arbeiterklasse ruiniert und in der Autoindustrie zu einem grenzüberschreitenden Wettlauf nach unten geführt hat.“
Das klingt gut, doch tatsächlich wird Trumps Zoll-Politik den USA massiv schaden. Nicht nur Autos werden deutlich teurer, sondern auch viele andere Produkte. Die Milliardeneinnahmen, die der Präsident durch Zölle für den Staat schaffen will, werden letztlich die Verbraucher bezahlen müssen. Es drohen Inflation und Rezession – was Trump seinen Wählern als notwendiges Übel zu verkaufen versucht.
Bislang verfängt dieser Kurs, der mit jeder ökonomischen Vernunft bricht. Dass Freihandel zu mehr Wohlstand führt, ist volkswirtschaftlich unbestritten. Die Grundlagen der modernen Handelstheorie legte David Ricardo im Jahr 1817. Seitdem wurde sie von vielen Ökonomen weiterentwickelt und immer wieder empirisch belegt.
Gerade in den USA lassen sich die Wohlstandsgewinne durch den Freihandel mit Kanada und Mexiko und durch die (bisher) geringen Zölle gegenüber anderen Ländern sehr anschaulich begreifen. Die Verbraucher dort haben von günstigen Kühlschränken, T-Shirts, iPhones und auch von günstigen Autos profitiert. Jobs in der Produktion sind verloren gegangen, andere, in produktiveren Bereichen wie der Tech-Branche entstanden. Insgesamt ist Amerika reicher geworden.
Doch wissenschaftliche Erkenntnisse zählen im Populismus nicht. Stattdessen geht es um gefühlte Wahrheiten und alternative Fakten. Und darum, den Wählern einzureden, dass man sich um sie kümmere. Statt das große Ganze in den Blick zu nehmen, stellt Trump die Interessen einzelner Wählergruppen über alles andere. Er bedient seine Basis und schadet damit Amerika und der Weltwirtschaft. Darauf basiert sein Erfolg bei den Wahlen.
Bei den Arbeitern im „Rust Belt“ könnte das funktionieren. Denn durch die Abschottung der Unternehmen vom Weltmarkt wird der wirtschaftliche Druck sinken. Höhere Preise würden Ford, General Motors und Stellantis mehr finanziellen Spielraum verschaffen. Sie müssten nicht mehr auf mehr Effizienz drängen und Kosten drücken, so wie die Konkurrenten in Europa, wo die Industrie massiv Stellen abbaut. Die Unternehmen können sich mehr Arbeiter leisten, auf Kosten der Kunden. Außerhalb der USA verlieren sie dadurch aber an Wettbewerbsfähigkeit.
Solche Zusammenhänge sind für Wahlkampfveranstaltungen zu kompliziert. Sie werden Trump wohl auch kaum vorgetragen. Im Hintergrund hat der Präsident mit Peter Navarro einen ökonomischen Extremisten als Handelsberater im Weißen Haus sitzen. Anders als die weit überwiegende Mehrheit in der Wissenschaft sieht er im Freihandel nicht den Austausch von Gütern zum gegenseitigen Vorteil und liebt stattdessen Zölle, die er als Waffe einsetzen will. So wie sein Chef Donald Trump.
Daniel Zwick ist Wirtschaftsredakteur und berichtet für WELT über alle Themen aus der Autoindustrie.
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