Reportervereinigung des Weissen Hauses wehrt sich gegen Trump
Was ist passiert? Das Weisse Haus streitet mit der US-Nachrichtenagentur AP. Die international tätige Agentur, die für ihre auf festen Statuten basierende Neutralität geschätzt wird, weigerte sich, die von Trump per Dekret neu eingeführte Bezeichnung «Golf von Amerika» zu übernehmen. AP hält weiterhin an der seit 400 Jahren gebräuchlichen Bezeichnung «Golf von Mexiko» für das international bekannte Gewässer südlich der US-Atlantikküste fest. Als Folge dessen wurde AP-Reportern der Zugang zum Oval Office und zur Präsidentenmaschine Air Force One entzogen.

Wie reagieren die Journalisten? Sowohl die Nachrichtenagentur als auch die Reportervereinigung des Weissen Hauses wehren sich juristisch gegen die Eingriffe der US-Regierung in die Arbeitsweise unabhängiger Medien. «Unser Vorstand wird keinen Versuch dieser oder irgendeiner anderen Regierung unterstützen, die unabhängige Berichterstattung über das Weisse Haus zu unterwandern», schreibt der Vorsitzende der White House Correspondents' Association (WHCA), Eugene Daniels von «Politico», in einer E-Mail an die Mitglieder der Vereinigung. Jedes Medienhaus müsse selbst entscheiden, ob es sich den neuen, von der Trump-Regierung auferlegten Regeln beugen wolle, heisst es darin. Ein Richter lehnte es jedoch ab, eine einstweilige Verfügung gegen das Weisse Haus zu erlassen. Trump selbst äusserte die Ansicht, dass AP zur «radikalen Linken» gehöre.
Wie einschneidend ist das für die Medien? Der ehemalige USA-Korrespondent und SRF-Moderator Arthur Honegger glaubt, dass dieser Entscheid für die Medien nicht allzu grosse Auswirkungen haben wird. «Es gibt viele Formen der Berichterstattung.» Man könne auch recherchieren und mit Leuten aus der Verwaltung reden, um dann Sachen aufdecken zu können. Auf der anderen Seite sei es wichtig, dass kritisches Nachfragen zu Beschlüssen der Regierung möglich ist. «Es ist schon bemerkenswert, dass eine der ältesten Demokratien der Welt auf einmal eine Regierung hat, die sagt: Wir suchen selbst aus, wer uns die Fragen stellt», so Honegger. Sicherlich seien dies nicht die Journalistinnen und Journalisten mit den kritischsten Fragen.
Ist der Korrespondenten-Pool ein «Medienkartell», wie das Weisse Haus behauptet? «Das halte ich ehrlich gesagt für Quatsch,» erklärt Honegger. Man müsse wissen: Der Pool besteht aus 30 verschiedenen Medien, verschiedener politischer Ausrichtung. «Da sind rechte Medien wie ‹Fox News› genauso dabei wie die linke ‹MSNBC›,» so der ehemalige US-Korrespondent weiter. Bei den Pooldiensten geht es darum, genau wiederzugeben, was im Moment geschieht. So entsteht eine gewisse Unmittelbarkeit, die für Livemedien wichtig ist. Zudem sehe man, mit welchen kontroversen Figuren sich der US-Präsident umgibt, so Honegger.
Was sind die Folgen? Arthur Honegger rechnet mit sehr viel weniger Vielfalt in der Berichterstattung, weil der US-Regierung weniger kritische Fragen gestellt werden dürfen. Im Wahlkampf habe sich Trump gern mit Podcastern unterhalten. Da habe man keine einzige kritische Frage gehört. «Wenn es in diese Richtung geht, dann ist das eine Entwicklung, die einer Demokratie so nicht würdig ist und die uns durchaus zu denken geben sollte.»
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