Gegen den Abbau von Arbeitsplätzen in der deutschen Industrie sind nach Gewerkschaftsangaben am Samstag Zehntausende Menschen auf die Straßen gegangen. In fünf Städten seien insgesamt 77.000 Beschäftigte dem Aufruf gefolgt, teilten die IG Metall und die Industriegewerkschaft IGBCE mit. Allein in Köln hätten 23.000 Menschen für ein modernes Industrieland, einen starken Sozialstaat und sichere Arbeitsplätze demonstriert. Weitere Kundgebungen fanden in Hannover, Frankfurt, Leipzig und Stuttgart statt.

„Wir erwarten mehr von den Arbeitgebern. Sie bauen ab, kürzen, wollen verlagern und machen keine Anstalten, Innovationen oder Zukunft zu gestalten“, sagte die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner in Hannover. Sie begrüßte das schuldenfinanzierte Investitionspaket, das Union, SPD und Grüne vereinbart haben und dessen Billigung durch Bundestag und Bundesrat aussteht. „Aber noch ist kein Sondervermögen beschlossen, noch ist nichts klar“, sagte Benner. „Alle politischen Kräfte müssen jetzt Verantwortung übernehmen, damit dieses zentrale Vorhaben nicht scheitert.“

IG-Metall-Vorstand Ralf Reinstädtler forderte in Leipzig einen Strompreis-Deckel für Industrie und Verbraucher sowie Unterstützung für die deutschen Autobauer und Zulieferer. Überdies mahnte er eine faire Bezahlung über Tarifverträge und starke Mitbestimmung an. Deutschland müsse kernsaniert werden. „Kaputte Straßen, bröckelnde Brücken, marode Schulen, zu wenig bezahlbarer Wohnraum und Ärger mit der Bahn. An zu vielen Orten gleicht dieses Land einer Bruchbude.“

„Sonst nimmt das ganze Land schweren Schaden“

Nach Angaben der IGBCE beteiligten sich bundesweit mehr als 7000 Beschäftigte aus energieintensiven Branchen wie Chemie, Metalle, Papier, Kunststoff, Glas oder Keramik an dem Aktionstag. „In den Grundstoffindustrien brennt die Hütte lichterloh“, sagte IGBCE-Chef Michael Vassiliadis in Hannover. „Fast täglich erreichen uns Meldungen über neue Sparprogramme, Stellenabbau, Anlagen- oder sogar Standortschließungen.“

In den vergangenen Monaten habe man mehr als 200 Fälle mit gut 25.000 betroffenen Arbeitsplätzen gezählt. Diese Entwicklung müsse gestoppt werden. „Sonst nimmt die gesamte industrielle Wertschöpfungskette schweren Schaden – und damit das ganze Land.“

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