Vordergründig ein Fall um Fahrerflucht, auf den zweiten Blick eine weitere Faber-Studie - und dann doch viel vertrackter und unterhaltsam verwirrend. Der Titel "Abstellgleis" täuscht - in Dortmund ist mächtig Bewegung.

Was passiert?

Als Faber (Jörg Hartmann) und Herzog (Stefanie Reinsperger) am Tatort ankommen, ist die Leiche bereits in der KTU, nur die zahlreichen Blutspuren auf dem Pflaster vor der Tiefgarage künden noch vom Verbrechen, das hier stattgefunden hat. Eine junge Frau ist von einem Auto überrollt worden, der Fahrer des Wagens geflüchtet. Eine erste Spur führt zum Ex von Angela Herrig, so der Name der Toten. Lorik Duka (Kasem Hoxha), ein aalglatter Kunstgalerist, ist bereits neu verbandelt, genießt den heimischen Pool und nippt mitsamt der Neuen am Schampus. Könnte Eifersucht ein Motiv sein? War Duka die einstige Liebhaberin im Weg?

Kaum sind diese Fragen gestellt, reißt es einen Mitarbeiter des Dortmunder Reviers aus dem Leben und der Fall bekommt eine völlig neue Dynamik. Waren Faber und Herzog eben noch im Clinch mit der neuen Revierchefin Ira Klasnić (Alessija Lause), meldet sich mit Kommissar Kossik (Stefan Konarske) vom LKA plötzlich ein alter Bekannter zurück und bringt mächtig Aufruhr in die Gemengelage. Und dann ist da noch der aufstrebende Jungpolizist Otto Pösken (Malick Bauer), der sich vielleicht etwas zu engagiert in die Ermittlungen drängt.

Worum geht es wirklich?

In Dortmund geht es immer noch um eine Art von Zukunftsperspektive. Unverändert schwer trägt Faber am Verlust der geliebten Kollegin Martina Bönisch (Anna Schudt), blinzelt gedankenverloren in die Kerzen an ihrer Grabstätte. Gleichzeitig ist mit Ira Klasnić eine neue Front aufgemacht, während sich immerhin das Binnenverhältnis zu Rosa Herzog schicksalhaft zurechtgeruckelt hat. Doch wie lange hält diese fortwährende Momentaufnahme die Spannung? Jürgen Werner, geistiger Vater des Dortmunder Reviers, verfährt nach der Devise "mehr ist mehr" - statt dramaturgisch zuzuspitzen, erweitert er das Personal in einem Mix aus alt und neu, bricht so die engmaschige Konstellation auf und legt gleich noch ein paar Köder aus, die mittelfristig für so einiges an weiteren Faber-Fabeln taugen dürfte.

Wegzapp-Moment?

Nicht vorhanden. Das Tempo ist einerseits verhalten, gleichzeitig ist da umgehend diese diffuse Spannung, der man sich kaum entziehen kann - ein Verdienst auch von Warner Poland und Wolfgang Glum, deren Filmmusik für einen äußerst einnehmenden Vibe sorgt.

Wow-Faktor?

Ausgesprochen hoch. Eben noch näherte sich Faber samt Weltschmerz seiner Verfallsgrenze, da kommt plötzlich wieder Schwung in die Bude. Großartig, wie Regisseur Torsten C. Fischer das Script von Jürgen Werner hier umsetzt - der ursprüngliche Fall gerät zunächst fast in den Hintergrund, stattdessen stehen die dramaturgischen Schwerpunkte in einem hochsensiblen Spannungsverhältnis - vom ursprünglichen Täterrätsel über die vielschichtigen Intrigen bis zum Faber-Mythos selbst.

Wie war's?

9 von 10 Punkten - mysteriös und spannend bis zu einem überraschenden Finale, das Lust auf mehr macht

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