Alice Merton verklagt Kanye West
Kanye West hat von Alice Merton vielleicht noch nie etwas gehört - und womöglich deswegen gedacht, er könne einfach ihre Musik für ein Sample stehlen. Hierzulande kennt man die Sängerin aber natürlich nur allzu gut. Und sie ist not amused.
Immer wieder kommt es vor, dass Musiker sich ohne Erlaubnis an den Ideen anderer Künstler bedienen, um ihre eigenen Songs zu pimpen. Bushido etwa beklaute gleich mehrere Metalbands. Kraftwerk streiten sich seit Jahren mit Moses Pelham um ein Sample, das er von ihnen gemopst hat. Und Kanye West benutzte schon einmal den Backstreet-Boys-Song "Everybody", ohne sich das vorab genehmigen zu lassen.
Der US-Rapper, Ex-Mann von Kim Kardashian und mittlerweile allem Anschein nach ziemlich durchgedrehter Sänger, ist sogar ein Wiederholungstäter. Denn im Dezember 2023 hat er es schon wieder getan. Damals lud er zu einer Vorab-Präsentation seines Albums " Vultures 2", auf dem sich auch ein Duett mit Kid Cudi namens "Gun to My Head" befinden sollte. Für das Lied verwendete er eine Passage aus dem Stück "Blindside" der deutschen Sängerin Alice Merton. Gefragt, ob er das darf, hatte er nicht.
Kanye West ist möglicherweise eher zufällig über "Blindside" gestolpert. Merton ist zwar seit ihrem Hit-Durchbruch mit "No Roots" 2016 hierzulande absolut keine Unbekannte mehr. In den USA jedoch hat man von ihr bislang noch keine größere Notiz genommen. Vielleicht dachte West deshalb ja zunächst, er käme mit dem unerlaubten Sample irgendeiner x-beliebigen Sängerin aus Deutschland so einfach durch.
Fundamental andere Werte
Immerhin: Im Februar 2024 ließ sich West dann doch eines Besseren belehren und beantragte offiziell die Genehmigung für das Sample. Da hatte er jedoch die Rechnung ohne Merton gemacht, die ihm diese prompt verweigerte. Die Folge: "Vultures 2" wurde ohne "Gun to My Head" veröffentlicht. Doch einmal in der Welt, ist der Song noch immer im Internet zu finden, zumal er Teil einer von West auf seiner Website verkauften Deluxe-Version von "Vultures 2" war.
Für Alice Merton Grund genug, zusammen mit ihrem Label und Musikverlag jetzt Klage gegen den US-Rapper einzureichen. Dabei geht es der 31-Jährigen gar nicht so sehr um die Urheberrechtsverletzung an sich, sondern darum, von wem sie begangen wurde. West vertrete fundamental andere Werte als sie, macht sie deutlich. Sie wolle deshalb nicht mit ihm in Verbindung gebracht werden.
In den Worten ihres Anwalts klingt das so: "Obwohl die Nutzung des Lieds der Kläger durch die Beklagten potenziell erhebliche Einnahmen bringen könnte, war Klägerin Alice Merton nicht bereit, ihre persönlichen Überzeugungen zu kompromittieren."
Im "Kanye-West-Loch"
Bereits im April 2024 hatte Merton dies bei einem Auftritt in der soeben eingestellten "Late Night Berlin"-Show von Klaas Heufer-Umlauf zum Ausdruck gebracht. Als sie von Wests Sample erfahren hatte, habe sie sich zunächst "super geehrt gefühlt", erklärte sie damals. Als sie sich dann aber intensiver mit den Aussagen und Positionen des Rappers befasst habe, sei sie "in ein Kanye-West-Loch gefallen". Man könne Kunst und Künstler nicht komplett voneinander trennen - und mit diesem Künstler wolle sie nichts zu tun haben.
Der einst gefeierte Rapper hat sich in den vergangenen Jahren zusehends radikalisiert. Seine Statements wurden immer extremer, seine Aktionen immer wirrer. Inzwischen äußert er sich nicht nur offen antisemitisch und rassistisch, er hantiert auch immer wieder mit Nazi-Symbolik. Auch seine Auftritte mit seiner meist nahezu komplett nackten Freundin Bianca Censori irritieren.
Aus Mertons Klage soll auch hervorgehen, dass sie seit Monaten von West-Fans bedroht wird, weil sie dem Rapper klare Kante zeigt. Deswegen habe sich die Sängerin auch nicht getraut, geplante Konzerte in den USA zu spielen.
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