Dacia mischt seit zwei Jahrzehnten die Autowelt auf. Mit dem Bigster wagt sich die Marke nun in die SUV-Mittelklasse – ab unter 24.000 Euro ein Angriff auf die Konkurrenz.

Seit knapp zwei Jahrzehnten mischt der Renault-Ableger Dacia die europäische Autowelt auf. Damals etablierte die Marke mit dem Logan ein Billigmodell, das eine Erfolgsgeschichte einleitet. Längst steigen Sandero, Jogger oder Duster ins Volumensegment auf. Mit dem Bigster wagt sich Dacia nun erstmals in die SUV-Mittelklasse und damit in das am härtesten umkämpfte Segment Europas. Nicht nur der Basispreis von unter 24.000 Euro dürfte die Konkurrenz schmerzen. 

Mehr als nur billig

Dacia ist längst mehr als ein reiner Billigheimer, erobert immer größere Marktanteile und greift dabei Kunden ab, die bisher vorwiegend bei etablierten Herstellern wie Volkswagen, Opel oder Ford fündig werden. Der neue Dacia Bigster ist eine selbstbewusste Kampfansage – ein 4,57 Meter großer Mittelklasse-SUV mit viel Platz für bis zu fünf Personen und einer soliden Ausstattung, und das Ganze zu Preisen ab 24.000 Euro. Als Hybridversion mit 155 PS elektrifiziert und mit Komfortdetails wie Navigation, 19-Zoll-Rädern, Panoramadach, elektrischer Heckklappe oder Allradantrieb liegt der Preis kaum über 30.000 Euro. Das ist ein gewaltiger Unterschied zu einem Massenmodell wie dem VW Tiguan 1.5 eTSI, der bei 43.000 Euro startet, oder dem weltweiten Bestseller Toyota RAV4 Hybrid mit rund 41.000 Euro.

Die Smartphone-Integration klappt prima beim Dacia Bigster, der zentrale 10-Zoll-Bildschirm ist groß genug dimensioniert, und Ablagen gibt es zahlreich © Adrien Cortesi

Dacia kann auch schön sein

Doch man täte dem Dacia Bigster unrecht, ihn allein auf den Preis zu reduzieren. Denn der Crossover kann sich auch optisch sehen lassen: Mit seinem leicht rustikalen Charme, einer selbstbewussten Maske nebst LED-Scheinwerfern, reichlich Bodenfreiheit und Kunststoffleisten, die sogar einen nennenswerten Anteil an Recyclingmaterial enthalten, überzeugt er. 

Als Antriebe gibt es nichts Spektakuläres und auch nichts rein Elektrisches, aber einen Hybridantrieb, der bei den ersten Testfahrten zeigt, wie sparsam man im Alltag unterwegs sein kann. 115 kW/155 PS sorgen für flotten Vortrieb ohne einen Hauch von Dynamik. Und selbst wenn Dacia selbstbewusst verkündet, dass man mit dickeren Scheiben und entsprechenden Dämmmaterialien perfekt für die große Tour mit der Familie gerüstet ist, sollte man keine Wunder erwarten. Das Geräuschniveau bleibt mäßig – das Innenraumambiente kann aber trotz reichlich Hartplastik gefallen.

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Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h 

Der 1,8 Liter große Vierzylinder-Saugmotor der Hybridversion sorgt bei höheren Geschwindigkeiten für ein unaufgeregtes Fortkommen. So oft wie möglich schaltet sich der 80 kW / 109 PS starke Verbrenner im langsamen Galopp zurück und überlässt dem 36 kW / 49 PS starken Elektromotor den Vortrieb, was das Geräuschniveau spürbar senkt und den 1,5 Tonnen schweren Fronttriebler betulich im Verkehr mitschwimmen lässt. 205 Nm maximales Drehmoment sind eben nicht viel. Immerhin dürfte die Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h bei vielen Beachtung finden. Der Normverbrauch liegt bei guten 4,7 Litern Super auf 100 Kilometern – nicht zuletzt ermöglicht durch eine Getriebeautomatik, die Verbrenner, Elektroaggregat und das 1,4 kWh große Akkupaket unter dem Beifahrersitz vereint.

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Wer keinen Vollhybrid will oder auf Allradantrieb Wert legt, entscheidet sich für einen 1,2 Liter großen Turbobenziner mit allzu präsentem Dreizylinderton, der 130 oder 140 PS leistet. Ab Ende des Jahres ist er auch in der Kombination aus Allrad und Getriebeautomatik erhältlich. Das Fahrverhalten ist unaufgeregt und unauffällig, wobei Kaufinteressenten einen Bogen um die 19-Zöller machen sollten, denn mit ihnen wird das Fahrverhalten allzu stößig und unkomfortabel. Störend sind die spürbaren Wankbewegungen bei flotter Kurvenfahrt oder schnellen Richtungswechseln. Die Lenkung ist leichtgängig, was insbesondere das Einparken erleichtert. Dagegen dürfte die Rückmeldung der Bremse griffiger sein, um dem Fahrer mehr Feedback von der Fahrbahn und dem Fahrzustand zu geben.

Der Dacia Bigster bietet in den edleren Versionen Journey und Extreme beheizte Sitze, digitale Instrumente, eine elektrische Heckklappe oder ein großes Panoramadach - viel Platz gibt es immer © Adrien Cortesi

Edel wird es bei Journey- und Extreme-Ausstattung

Ebenso schmuck wie außen zeigt sich der Dacia Bigster auch im Innern. Zugegeben, bei den 23.990 und 24.990 Euro teuren 1,2-Liter-Basisversionen Essential und Expression geht es im Innenraum insbesondere durch die zahlreichen Hartplastikelemente bodenständig zu. Doch der 155-PS-Hybrid bietet in den edleren Versionen Journey und Extreme Ausstattungsdetails wie beheizte Sitze, digitale Instrumente, eine elektrische Heckklappe oder ein großes Panoramadach, das sich im Unterschied zu manchem Wettbewerber auch öffnen lässt. 

Ebenso ein echter Mehrwert sind die heizbare Frontscheibe, die Ladeschale für das Smartphone oder die Taster für die Klimaanlage. Die Smartphone-Integration klappt prima, der zentrale 10-Zoll-Bildschirm ist groß genug dimensioniert, und die Ablagen sind ebenso zahlreich wie die verschiedenen Befestigungsmodule für Kleinteile aller Art.

Das Platzangebot vorne wie hinten ist mehr als ordentlich und bietet vier Personen auch auf längeren Reisen einen behaglichen Aufenthaltsort. Zugegeben könnten sich die Sitze vorne besser verstellen lassen und auch für groß gewachsene Personen mehr Langstreckenkomfort bieten. Eine Sitzheizung im Fond oder eine verschiebbare Rückbank käme nicht nur bei Kindern gut an. Doch USB-Ports und ein 546 Liter großer Laderaum, der sich durch Umlegen der 40:20:40 teilbaren Rückbank auf 1851 Liter erweitern lässt, sind Werte, die durchaus für den Bigster sprechen. 

Mehr SUV für weniger Geld ist aktuell kaum zu bekommen, und nicht nur die deutschen Volumen-Crossover dürften den Franzosen fürchten. Auch der Wettbewerb aus Japan, China, Südkorea oder eben Frankreich dürfte mit dem Bigster seine liebe Mühe haben – egal ob echter Hybrid oder Mild-Hybrid-Variante.

Technische Daten: Dacia Bigster 155 Hybrid

Motor: Vierzylinder-Saugmotor mit Elektromotor
Hubraum: 1.799 ccm
Leistung: 115 kW / 155 PS
Max. Drehmoment: 205 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Beschleunigung 0–100 km/h: 9,7 Sekunden
Getriebe: Automatik
Antrieb: Front
Normverbrauch: 4,7 Liter Super / 100 km / 106 g CO₂
Leergewicht: 1.494 kg
Zuladung: 446 kg
Preis: ab 30.440 Euro 

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